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Digitale Schulkultur

Wir werden eine KI-Agenda auf den Weg bringen, die alle schulischen Themenfelder mit Bezug zu KI umfasst. Dabei sollen auch Auswirkungen der KI auf die Prüfungskultur oder das individuelle Lernen an den Schulen in den Blick genommen werden. So steht es im Koalitionsvertrag der neuen grün-schwarzen Landesregierung von Baden-Württemberg. Der Satz klingt innovativ. Er impliziert, dass die Regierung weiß, dass es die KI gibt und dass sie in der Schule eine Rolle spielt. Das Wort „Agenda“ verspricht die Vorlage einer strukturierten Handlungsanweisung für die Schulen im Umgang mit der digitalen Intelligenz. Es werden zwei Bereiche genannt, in denen sie „auch“ eine Rolle spielt: die Prüfungen, gemeint sind wohl die Abschlussprüfungen, und das selbstständige Lernen des Einzelnen. Man könnte sich noch andere Aspekte vorstellen: die Hausaufgaben, die Klassenarbeiten, die Notenfindung, das Erarbeiten neuer Lerninhalte, die Gruppenarbeiten …Etwas vage klingt, wie die neue Regierung diese Agenda ins Werk setzen will. Das Ganze soll „auf den Weg gebracht werden“, was doch wohl heißt, dass man über erste Ansätze nicht hinauskommen wird. Auch sollen die „Auswirkungen“ der KI „“in den Blick genommen werden“. Da hätte man sich mehr gewünscht. Im Blick ist das Thema schon lange, aber was soll aus dem Blick werden? Welche Vorgaben wird die Regierung den Schulen und ihrem Personal machen, welche Anregungen und Hilfen beim Umgang mit der KI dürfen die Lehrkräfte erwarten? Welche Fortbildung wird es dazu geben? Wird man das Schulgesetz und die rechtlichen Bestimmungen, vor allem die Notenverordnung, der neuen Situation anpassen? Damit, dass man einige im ZSL mit dem Thema KI beschäftigt, ist für die Schulpraxis noch nichts gewonnen.
 

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Ideologische Befreiung

„Wir fordern neben der inhaltlichen eine ideologiekritische Überarbeitung des Bildungsplans von 2016. Die Bildungsinstitutionen dürfen nicht zur ideologischen Indoktrination unserer Kinder eingesetzt werden.“ So lautet ein zentraler Satz im Landtagswahlprogramm der AfD für Baden-Württemberg. Gegen eine Überarbeitung des in die Jahre gekommenen Bildungsplans kann man nichts einwenden. In welcher Weise dies geschehen soll, bleibt allerdings unklar. Es sollen die „Inhalte“ überarbeitet werden. In welcher Hinsicht? Sollen weniger Inhalte vorgegeben werden, was soll wegfallen, was hinzukommen? Etwas deutlicher ist das zweite Adjektiv. Die Überarbeitung soll „ideologiekritisch“ sein. Das heißt: Im Bildungsplan steckt Ideologie, die muss raus. Aber welche Ideologie ist gemeint? Vielleicht ist zu viel Linkes drin? Oder zu deutlich Grünes wie diese Klimasachen? Oder geht es um die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit? Wird die Zeit zwischen 1933 und 1945 zu ideologisch dargestellt, etwa in der Frage der Kriegsschuld oder beim Holocaust? Das alles verrät das Programm der Blauen nicht. Es unterstellt nur. Dass die Bildungsinstitutionen „nicht zur ideologischen Indoktrination“ eingesetzt werden dürfen, ist ein Satz, der impliziert, dass derlei zurzeit geschieht und dass die AfD das verhindern will. Ansonsten bleibt völlig unklar, was gemeint ist. Es ist wie immer bei dieser Partei: Sie verzichtet auf klare Aussagen, damit man sie nicht damit konfrontieren kann. Wahrscheinlich muss man so diffus formulieren, wenn man unter der Beobachtung des Verfassungsschutzes steht.

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Tragfähiges Sachwissen

„Ein Schulabschluss attestiert nicht nur Lernstrategien, sondern tragfähiges Sachwissen über Geschichte. Politik, Sprache, Mathematik, Naturwissenschaften, Literatur und Kultur“. So steht es im Wahlprogramm der CDU für die Landtagswahl 2026. Das signalisiert das Ende der einst von Kultusministerin Schavan eingeleiteten Transformation der Schule als bloßer Lernanstalt zur Vermittlerin von Kompetenzen. Zur Erinnerung: Kompetenz ist die von den Lerninhalten unabhängige Fähigkeit, mit dem „Wissensstoff“ umzugehen. Ob ich an Würmern oder Vögeln lerne, biologisch zu denken, ist nebensächlich. Ob ich an Gottfried Keller oder Juli Zeh lerne, mit fiktionalen Texten sinnvoll umzugehen, ist zweitrangig. Ob ich an einer Rede Bismarcks oder Habecks meine Fähigkeit zum kritischen Umgang mit politischen Aussagen erwerbe, soll im Belieben der Lehrkraft stehen. Was offenbar auch die CDU nicht verstanden hatte: Es geht bei dieser Art von Unterricht nicht um den Verzicht auf Inhalten, sondern um die inhaltliche Öffnung des Unterrichts. Weg vom vorgeschriebenen „Sternchenthema“, hin zu einer freieren Gestaltung des Unterrichts. Etwas zu können war wichtiger als etwas Bestimmtes auswendig zu wissen. Nun will man zurück zum „tragfähigen Sachwissen“. Aber wer entscheidet, was für die Zukunft tragfähig ist? Wie will man vermeiden, dass Inhalte vermittelt werden, die sich später als belanglos herausstellen? Wer mit Inhalten „umgehen“, sie einordnen, bewerten kann, ist im Leben besser dran, als wenn er „nur weiß“, dass der 30-jährige Krieg von 1618 bis 1648 gedauert hat – was so gar nicht stimmt. Die Christdemokraten stellen ganz bewusst die Geschichte an den Beginn ihrer Fächerliste, dabei ist es genau dieses Fach, in dem es darum geht, Quellen zu lesen und zu interpretieren und nicht mit Zahlen- und „Fakten“-Wissen zu brillieren. Ist der CDU nicht mehr bekannt, dass just im Geschichtsunterricht die Vorgaben der Herrschenden die Deutung der Fakten bestimmen? Vielleicht täte ein Blick in Putins Russland not, wo die „Geschichte“ zum Instrument der Propaganda verkommen ist.