Be-Züge

Wer eine Zugreise macht, kann allerlei erzählen. Viele Gespräche auf Bahnfahrten kreisen ums Bahnfahren. So liefert das Ereignis der Bewegung auf den Schienen auch gleich den Stoff für Geschichten und es führt die Menschen im Gespräch über ihre Erlebnisse für die Zeit der Reise zusammen.

Häckerling will in diesem Jubiläumsblog Nummer 175 die sattsam bekannten Bahngeschichten nicht um eine weitere ergänzen. Dass es im ICE kaum Platz für Gepäck gibt, dass er fast immer verspätet ist, weil unaufhörlich am maroden Schienennetz laboriert werden muss, weil ein Triebkopf lahmt, „die Einfahrt noch nicht freigegeben ist“ oder ein Anschluss „leider“ nicht erreicht wird – geschenkt. Lassen Sie mich ein paar Zeilen über das „wirkliche“ Bahnfahren schreiben.

In einem Regionalexpress älterer Bauart sitzt man unbequem, es zieht, weil immer irgendwo ein Fenster offen steht, es ist laut, weil man über Schienen und Weichen hoppelt, es ruckelt und zuckelt, es wird warm und wieder kalt. Doch trotzdem: Man erlebt in einem solchen Zug das Fahren „mit der Eisenbahn“, man spürt die Fortbewegung, das schnelle und das langsame Fahren, und vor allem sieht man, wie Landschaften und Siedlungen vorbeiziehen, wie sich alles ständig verändert. Man nimmt die Schönheiten und Verschandelungen der Außenwelt wahr. Man kann trotz der Eile noch Ortsnamen entziffern – aha, da sind wir jetzt – kurzum: man fühlt sich als Reisender noch als Teil der Gegend, die man durchquert, und ist nicht, wie im ICE, akustisch und optisch von ihr isoliert.

Den Lesern und vor allem auch den Kommentatoren dieses Blog ein herzliches Dankeschön für ihre treue „Reisebegleitung“.

(Blog-Eintrag Nr. 175)

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3 Kommentare zu Be-Züge

  1. Boris sagt:

    Anders als die Bahn ist dieser Blog mit seinen Themen pünktlich, die Landschaft ist sehr abwechslungsreich und die Mitreisenden gut informiert und unterhaltsam. Daher fahre ich auch in Zukunft gerne mit der Häckerlingbahn.

  2. Nana sagt:

    Auch ich würde gern mit Häckerling Bahn fahren, gerade auch im ICE Stuttgart-Berlin (oder zurück). Wenn es interessante Gespräche gibt, gerät das Transportmittel leicht in Vergessenheit. Auch Verspätungen mag man dann gern ertragen.
    Nebenbei: zu spät kommende Züge haben den Vorteil, dass man sie manchmal wider Erwarten doch noch erreicht! Das schätze ich spätestens, seitdem ich meine 14jährige Tochter jeden Morgen – optimal wäre es Viertel nach sechs, meist wird es aber später, man rate warum! – am Stuttgarter Hauptbahnhof absetze, damit sie in ihre Schule in Schwäbisch Gmünd kommt.

    Nun habe ich aber noch eine Frage an Häckerling oder auch die Kommentatorfreunde: Was war in den letzten 25 Beiträgen das Prinzip der Überschrift? Gab es eins? Hieß es unformal allgemein „kreative Wendungen“, war eine Befreiung von zuvor selbst gesetzten Grenzen? Oder hab ich was übersehen?
    Und, ach ja: Herzlichen Glückwunsch! Wäre schade, wenn die „Häckerlingbahn“ stoppen würde.

    • haecker sagt:

      Wer zu spät kommt, den belohnt die Bahn manchmal. Das Interessante am Bahnfahren sind auch die Gespräche, die man mithören darf. Es entsteht eine Vertrautheit auf Zeit.
      Nanas Tochter sei gewünscht, dass sie ihr doch recht fernes Ziel, ihre Schule, pünktlich erreicht, denn bei Verspätungen dort gibt’s keine Belohnungen, sondern allenfalls Ärger. Und nichts ist so wichtig wie die Geneigtheit der Lehrer.
      Was die Überschriften angeht, so hat sich der Schreiber in der Tat von seinen selbst gewählten Zwängen befreien wollen. Ein bisschen Wortspielen und Kalauerei muss auch mal sein. Wie es allerdings bei 176 weitergehen wird, ist noch offen.
      Dem Boris sei Dank für das Lob. Warten wir es ab, ob der Blogschreiber es schafft, auch künftig auf der Höhe der Zeit zu bleiben. Es fehlt nie viel, den Anschluss zu verlieren und abgehängt zu werden.

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