Bayern oder Berlin

Der Süden ist schulisch besser als der Norden. Das wissen wir schon seit der ersten PISA-Studie. Nun hat es der neue Bundesländervergleich bestätigt. Trotzdem werden die Südstaaten auch künftig den Missionaren des Nordens ausgesetzt sein. Die wollen uns andere dazu bringen, das dreigliedrige Schulsystem abzuschaffen und es durch eine Schule des „längeren gemeinsamen Lernens“ zu ersetzen. Denn, so lautet der Glaubenssatz, wenn wir die Kinder möglichst lange in einer Klasse lassen, lösen wir damit zwei Probleme auf einmal: das der Integration und das der sozialen Benachteiligung von Arbeiterkindern.

Ein Blick auf die Tabellen könnte das bestätigen: Bei der „Gerechtigkeit“, das heißt beim Wechsel aufs Gymnasium und der dabei wirkenden sozialen Faktoren, liegen die Nordlichter Berlin, Brandenburg und Hamburg ganz vorne, die südlichen Sieger aber sind die Schlusslichter. In den Medien werden die Berliner und Hamburger dafür gelobt. Das Lob sei ihnen gegönnt, allerdings fragt sich Häckerling doch, was diese „Entkoppelung“ von Leistung und sozialer Herkunft bringen soll, wenn am Ende die Leistung nicht stimmt. In Berlin kommt man als Arbeiterkind zwar leichter aufs Gymnasium als in Bayern, aber dafür lernt man dort viel weniger.

Häckerling hat den Eindruck, dass hier eine gespenstische Debatte über das Kind aus der Akademiker-Familie geführt wird. Es findet den Weg aufs Gymnasium leichter, vermutlich, weil es zu Hause mehr gefördert wird. Aber genau das der Skandal, denn das führt zu der „Ungerechtigkeit“ seiner Bevorzugung. Bald werden wir den Vorschlag hören, dieses häusliche Fördern müsse endlich ein Ende haben, weil es die zu Hause weniger Geförderten benachteilige. Doch wer hindert eigentlich unsere Migranten und Arbeiter daran, ihren Kindern auf dem Weg in und durch die Schule beizustehen?

(Blog-Eintrag Nr. 191)

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