Armselig

Berlin ist reich an aufwändig restaurierten Bauwerken. Der Bereich um den Gendarmenmarkt zum Beispiel beeindruckt den Touristen aus dem Südwesten der Republik mit seiner Pracht. Wenn er vor dem Französischen Dom steht, spürt der Republikaner die Macht einer anderen Epoche, als Könige und Kaiser noch das Sagen hatten.

In besagtem prächtigem Dom, einer Schenkung an die protestantische Gemeinde in Berlin, ist seit 1935 ein kleines Museum untergebracht, das die Geschichte der Hugenotten in Preußen dokumentiert. Die waren vor Jahrhunderten als Migranten ins Land gekommen, weil Frankreich nichts mit ihrem protestantischen Glauben anfangen konnte und sie blutig verfolgte.

In Preußen (und auch in Württemberg) waren sie willkommen. Ihre Integration gelang; sie halfen dem Land mit ihrer Intelligenz und ihrem calvinistischen Arbeitsethos auf die Beine. Bedeutende Menschen kamen aus ihren Reihen: der Kupferstecher Chodowiecki, der Schriftsteller Fontane und der Verleger Reclam, um nur ein paar Namen zu nennen.

Das alles findet man im Hugenottenmuseum dokumentiert – aber wie? Der Putz an den Wänden bröckelt, Schimmel breitet sich aus, die Exponate vergammeln. Trauriges Beispiel ist eine Harfe, deren Saiten gerissen sind und die wegen fehlender Mittel nicht restauriert werden kann.

Was für ein Kontrast: außen die prächtige Fassade und innen das armselige Museum. Ein Beispiel gelungener Integration könnte hier gezeigt werden, aber keiner will dafür ein paar Euro herausrücken. Offenbar gibt es Wichtigeres. Schade.

(Blog-Eintrag Nr. 223)

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