Deutschland und der 17. Juni

Die Überschrift erinnert an eine Zeit, in der alles noch an seinem Platz war. Wir hatten Angst vor einem Krieg, aber das „Gleichgewicht des Schreckens“ hat uns – das darf man auch als Kriegsdienstverweigerer im Rückblick zugeben – vor ihm bewahrt. Wir haben am 17. Juni an den Volksaufstand in der DDR gedacht, uns mit den „Brüdern und Schwestern“ jenseits des Eisernen Vorhangs wenigstens einen Tag lang solidarisch gefühlt, ansonsten uns aber des bundesrepublikanischen Wohlstands erfreut. Wir haben über viele Probleme gejammert: die Inflation, die zunehmende Arbeitslosigkeit, die steigende Zahl von Verbrechen, die Asylanten, den Verlust des gymnasialen Niveaus durch die wachsende Übergangsquoten.

Wenn wir uns daran erinnern, müssten wir ins Lächeln kommen. Drei Beispiele: Der SPD-Politiker Schmidt sagte einmal: „Lieber 5% Inflation als 5% Arbeitslosigkeit.“ Wie klingt das heute? Die Übergangsquote aufs Gymnasium näherte sich in Sindelfingen den 35%; derzeit liegt sie bei 59%. Was ein Asylant ist, weiß heute keiner mehr so recht, heute reden wir von Migranten. Einst ging es um ein Dutzend Asylbewerber je Gemeinde, heute in manchen Schulklassen um Migranten-Anteile von über 50%

Am heutigen 17. Juni soll sich in Griechenland entscheiden, ob oder wie es mit Europa weitergeht, in Frankreich werden die Sozialisten gewinnen und der unbeliebten Sparpolitik den Garaus machen und die Kanzlerin kann sich schon mal überlegen, ob sie Europa „um jeden Preis“ retten soll (was „die Welt“ von ihr erwartet) oder ihre schützende Hand auf die Staatskasse legen (was eine Mehrheit der Deutschen von ihr erwartet). Recht machen wird sie es keinem. Europa steht vor dem Abgrund, sagen die Auguren. Können wir ihn balancierend überwinden wie vorgestern der Artist die Niagara-Fälle?

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