Thierse und der Humor

Sie sollte lustig sein, Thierses Schwabenschelte. Sie war es aber nicht oder der subtile Humor des gebürtigen Breslauer wurde irgendwie missverstanden. Denn die so lustig Angegriffenen reagierten nicht mit Lachen, sondern empört. Was Thierse ihnen vorwirft ist mangelnde Integration. Schwaben haben gefälligst wie Berliner zu werden und statt von „Wecken“ von „Schrippen“ zu sprechen sowie die saudumme Kehrwoche zu vergessen.

Nun ist dazu schon einiges Kluge gesagt worden, aber der Hinweis auf die süddeutschen Zahlungen in den Länderausgleich kann nicht wirklich befrieden, denn schließlich haben die Berliner einen Rechtsanspruch auf dieses Geld. Der linguistische Einwand – es heiße hier nicht „Wecken“, sondern „Weckle“ (Stuttgarter Zeitung) oder „Brötchen“ oder wie auch immer – verfängt auch nicht, weil sie der Vielfalt des Angebots hiesiger Bäcker nicht gerecht wird.

Zur Kehrwoche sage ich lieber nichts. Als gelegentlicher Besucher der Hauptstadt kann ich ihr keine übertriebene Sauberkeit attestieren. Aber das ist ja ein Zeichen ihrer Buntheit und damit ihres Charmes.

Geradezu erheitert hat mich Thierses Einlassung, der Berliner habe Humor, der Schwabe (wen meint er eigentlich damit – die Augsburger, die Oberschwaben?) keinen. Wie bitte? Ich finde Berlin toll, anregend, aufregend, beeindruckend, aber Humor oder Heiterkeit habe ich dort kaum gefunden, allenfalls ätzendes Kritisieren oder muffige Unhöflichkeit. Wie Thierse halt. Kleiner Tipp für ihn: Lesen Sie mal mal Jakob Heins „Gebrauchsanweisung für Berlin“.

Was mich sehr beruhigt: Thierse lässt den in Berlin lebenden Türken mehr kulturellen Freiraum als jenen, die er „Schwaben“ nennt. Oder hat er nur nicht den Mut, sich mit denen anzulegen?

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Ein Kommentar zu Thierse und der Humor

  1. Boris sagt:

    Meint er mit Berliner Humor vielleicht die Berliner Schnauze (die er selbst nicht spricht)? Herr Thierse musste sich wohl in Gespräch bringen, am besten mit Kommentaren gegen eine Gruppe, die als Wählergruppe nicht ausschlaggebend scheint. Sich gegen Türken auszusprechen scheint in jeder Hinsicht unklug, zum einen könnte man als ausländerfeindlich erscheinen, zum anderen neigen sie vielleicht zu ähnlichen Aktionen wie nach gewissen Karikaturen.

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