Verhoenesspiepelung

Bayern heult auf. Wie kann ein Münchener Gericht es wagen, seinen – neben Seehofer – beliebtesten Mitbürger ins Gefängnis bringen zu wollen? Wegen eines Kavalierdelikts, wegen Vergessens von Steuerzahlungen. Das macht doch jeder. Und deswegen soll der Präsident hinter Gittern? Wo er doch so geweint hat, wo er doch so reuig ist, wo es ihm doch so leid tut, wo er doch alles nachzahlen will. Mussten etwa Beckenbauer und Becker, Schwarzer oder Leicht ins Kittchen? Nein, denen hat man es erspart.

Ich glaube auch nicht, dass Uli Hoeness ins Gefängnis muss. Das Verfahren wird sich noch so lange hinziehen, dass der vergesslichen Öffentlichkeit bald nicht mehr bekannt ist, um was eigentlich geht: um einen Verstoß gegen die deutschen Steuergesetze. Und dann wird man sich wohl auf ein symbolisches Einsitzen verständigen. Der Platz in den deutschen Haftanstalten ist eh so rar.

Das Begleitgeschrei zum Fall Hoeness ist laut. Der Stammtisch hat sich in ein hohes Gericht verwandelt. Alle reden mit, vor allem die von juristischen Kenntnissen besonders unbeleckten. Es ist wie bei Fragen der Bildungspolitik. Da wissen es auch alle besser als die, deren täglich Brot sie ist.

Das Bedenkliche im genannten Fall ist ein Doppeltes: Wird der Bayern-Chef aus Ulm schonend behandelt, dann verfestigt sich das Gefühl, dass man die Kleinen henkt und die Großen laufen lässt. Bestraft man den Steuerhinterzieher zu streng, unterstellt man dem Gericht, es habe sich von Ressentiments leiten lassen, um seine Unabhängigkeit unter Beweis zu stellen. Insofern halte ich die ins Auge gefasste Strafe für einen erträglichen Kompromiss. Ob er sie je antreten wird? Warten wir’s ab.

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Ein Kommentar zu Verhoenesspiepelung

  1. Boris sagt:

    Urteilen ohne Ansehen der Person ist schwer in Tagen, in denen Twitter, Youtube, Whatsapp und Onlinezeitungen sekundengenau alles an jeden Stammtisch tragen. Er hat versucht den Staat zu bestehlen, er hat versucht es kleinzureden bis es nicht mehr kleinzureden war. Geht man nach der Höhe der Hinterziehung ist seine Strafe gering, und dass er diese ohne Murren trägt, zeigt, dass sie gering ausgefallen ist und er auf Strafverkürzung hofft. Zu recht wie ich fürchte.

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