Turboverlängerung

Das achtjährige Gymnasium, kurz G 8 – nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Staatsführertreffen, als die Russen noch dabei sein durften – oder auch „Turboabitur“ genannt, ist auf dem Rückzug. Viele Politiker, Eltern, Lehrer und merkwürdigerweise auch Schüler fänden es schön, wenn die gymnasiale Schulzeit statt der seit Jahren üblichen zwölf künftig 13 Jahre dauern würde. Daher drehen viele Bundesländer das Rad zurück und machen aus G 8 wieder G 9.

Ich bin damit nicht einverstanden. Die Gründe, warum man aus neun Jahren acht gemacht hat, waren: (1) In der DDR waren die acht Jahre immer üblich, viele „neue“ Bundesländer sind beim Alten geblieben. (2) Die westdeutschen Schüler waren im Schnitt deutlich älter als ihre Mitstudierenden aus aller Welt. (3) Das 13. Schuljahr war schon immer kürzer als die vorausgehenden. (5) Es war unergiebig und langweilig und wurde gern durch allerlei Reisen (sog. Studienfahrten)  unterbrochen. (6) Es war von Fehlzeiten (auch wegen der zunehmenden Zahl der Jobbenden) besonders heimgesucht. (6) Das lag auch daran, dass die Lernenden volljährig waren und sich selbst entschuldigen konnten. (7) Man soll heutzutage nicht mehr auf Vorrat lernen, sondern lebenslang. (8) Die Ergebnisse im Abitur waren nach acht Jahren nicht schlechter als nach neun Jahren Gymnasium.

Kurz: Die neunjährige Gymnasialzeit war sinnlos, unnötig und teuer.

Trotzdem will man sie jetzt wieder einführen, obwohl sie Ressourcen verbraucht, die andernorts fehlen, obwohl die deutschen Abiturienten beim Abschluss dann wieder fast 20 Jahre alt sein und das Gymnasium noch schulmüder als eh schon verlassen werden.

Man sage nicht, der Stoff lasse sich nicht in acht Jahren vermitteln. Wer es will, der kann es auch.

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