Streikopfer

Um es gleich im ersten Satz zu beteuern: Ich bin für das Recht auf Streik. Die nicht beamteten Arbeitnehmer in diesem Staat dürfen streiken und sie müssen es manchmal auch, um ihre Interessen durchzusetzen. Dass man weniger arbeiten und mehr verdienen will, das kann unsereins irgendwie nachvollziehen.

Mit dem Streik sind immer Nachteile für Unbeteiligte, die „Streikopfer“, verbunden: In der Automobilindustrie verzögert sich die Auslieferung des Autos, das man bestellt hat, bei der Post kann man kein Paket mehr abgeben, im Einzelhandel bin ich im Ausgeben meines Geldes behindert. Dennoch: die Folgen sind nicht gravierend. Ich muss noch eine Weile mit dem alten PKW fahren, gebe das Paket bei der Konkurrenz auf und stelle den Kauf eines neuen Wintermantels zurück.

Wenn die Bahn streikt, kann ich nur zu Fuß gehen, mit dem Bus fahren, auf das Fahrrad steigen oder auf mein Auto zurückgreifen. Weil das, die Benutzung des Autos, die andern auch tun, stehe ich im Stau oder finde keinen Parkplatz. Die damit verbundenen Kosten habe ich selbst zu tragen. Den Ausgaben für ein Monats- oder Jahresticket steht keine Leistung gegenüber. Gebuchte Karten für Theater oder Konzert verfallen, weil ich mein Ziel nicht erreichen kann. Das interessiert weder die GDL noch die Deutsche Bahn. Sie tragen ihren Streit und den Streik auf dem Rücken derer aus, die kein Auto haben oder sich kein Taxi leisten können.

Was mich persönlich besonders nervt ist das Auftreten des Gewerkschaftsbosses, der alles kann (vor allem seine Mannen aufputschen) außer Hochdeutsch. Er diskreditiert eine an sich sympathische Mundart. Es nervt auch das Bahnmanagement. Warum hat es keine Idee, wie man den Konflikt lösen könnte? Wieso bekommen die Bosse so hohe Gehälter, wenn sie ihre Aufgabe doch nicht erfüllen?

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