Versager

Wer laut ruft „Ich bin überfordert“, findet traditionell mehr Beachtung, als jener, der seine Aufgaben ohne Murren erledigt. Das gilt im Kleinen wie im Großen. Viele Kommunen und Landkreise kommen bei der Flüchtlingsunterbringung ihren Pflichten vorbildlich nach. Die Aufgabe ist groß, manchmal scheint sie nicht lösbar, manchmal haben die Verantwortlichen schlaflose Nächte, aber „sie schaffen es“ doch. Andere erheben ein Geschrei, schreiben Briefe an Frau Merkel oder ergehen sich in Wehklagen. Dabei fehlt es Ihnen vermutlich nur an Tatkraft und Weitblick, an planerischer und organisatorischer Kompetenz oder einfach an Ideen. Vielleicht wollen sie ihre Aufgaben auch gar nicht erfüllen. Klagen ist einfacher, da hat man den propagandistischen Mainstream der Online-Foren an der Seite. Oder man verweist auf das Kippen einer Stimmung, zu dem man nach Kräften selbst beiträgt. Das regionale Versagen hat seine Entsprechung auf den höheren politischen Rängen. Die gut bezahlten Vordenker im Innenministerium haben die Zeichen der Zeit zu spät wahrgenommen. Die neuen Bundesländer dürfen sich immer noch im postkommunistischen Nationalgefühl suhlen. Und erst manche „Europäer“! Sie halten ständig die Hand auf, aber sie haben nicht den Hauch einer Orientierung am europäischen Wertesystem. Europa steht als Mitverursacher vieler Krisen in der Verantwortung, aber es nimmt sie nicht wahr. Wenn man auf die Amerikaner blickt, könnte einem die Galle aus der Blase laufen. Sie vor allem haben uns die Suppe eingebrockt und sperren sich nun gegen das Auslöffeln. So sind die Neunmalklugen hier, die sich in Verweigerung ergehen („Warum sollten wir …?“), in „guter“ Gesellschaft. Eine Allianz von Versagern!

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