Naivität

Ein neues Modewort geht um, das von den naiven Deutschen. Sie träumten sich die Wirklichkeit schön, heißt es, angeführt von einer Bundeskanzlerin, die man jetzt nur noch „Mutti“ nennt, um ihre Unbedarftheit auszudrücken. Noch vor wenigen Monaten pries oder schalt man sie als eine hartherzige „eiserne Lady“, nun ist sie der Inbegriff von Unfähigkeit und politischer Dummheit. Die Kommentare über sie sind an Gehässigkeit nicht mehr zu überbieten. Mit ihr werden alle „Gutmenschen“ in den Kessel geworfen und von denen, die alles viel besser wissen, weichgekocht. Mich wundert diese lautstarke Stimmungsorgie, dieser verführerische Gesang der populistischen Sirenen, dieser fast einstimmige Chor der Nationalkonservativen nicht. Was jetzt an Meinungen hochkocht, war latent immer vorhanden. Nur dass aus den Stammtischparolen nun „ehrenwerte“ Meinungen werden. Sie artikulieren sich bei Pegida, den Parteitagen der AfD oder wie sie jetzt heißen mag, aber zunehmend auch in den Ortsverbänden der christlichen Parteien. Dort gäre es, wird gesagt. Wie schön, dass sie mal wieder ein Thema haben. Und die Naivität? Ich weigere mich, das Klischee zu akzeptieren, dass wir nur von Dilettanten und Idioten („Laien“) regiert werden. Ich lehne es ab, den widerlichen Volkssturm der Heimatschützer für den Ausdruck des „wahren Deutschland“ zu halten. Wenn es aber so weit kommt, dass die naive Hetzpropaganda der sog. „sozialen Netzwerke“ (wo ist bei denen das Soziale?) unser politisches Handeln bestimmt, dann habe ich allen Grund, mein „armes Deutschland“ zu beklagen.

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