Notengebung

Lehrer geben gerne Noten. Das haben sie in der Ausbildung gelernt, das praktizieren sie alltäglich, darin sind sie routiniert. Wenn sie also zur Abwechslung mal nicht ihre Eleven, sondern die Bildungspolitik benoten, dann darf man erwarten, dass sie wissen, was sie tun. 1001 Lehrkräfte wurden vom Verband Bildung und Erziehung (VBE) bundesweit um eine Bewertung der Bildungspolitik gebeten. Das Ergebnis: 4,0 (ausreichend). Bayern schneidet mit 3,7 (vier plus) etwas besser, NRW mit 4,2 (vier minus) etwas schlechter ab. Baden-Württemberg hat den Bundesdurchschnitt erreicht. Was sagt uns das? Offenbar sind es nicht die Schüler, die zu der schlechten Bewertung führen. Es ist „die Politik“. Sie habe bei ihren Entscheidungen nicht den Schulalltag im Blick, sie formuliere immer neue Anforderungen, verweigere aber die dafür nötigen Ressourcen. Das Problem ist nicht neu, die Schulferne der politisch Verantwortlichen notorisch. Der Verfasser hatte als Leiter eines Gymnasiums mehrmals die Ehre, ministeriellen Besuch zu empfangen. Der wurde gut „vorbereitet“, alle Unzulänglichkeiten vorab aus dem Weg geräumt. Hochglanzeindrücke wurden erwartet und also auch erzeugt. Das wahre Schulleben blieb außen vor, Informationen hat man sorgfältig gefiltert, kritische Bemerkungen hinuntergeschluckt. So konnte man am Ende einen „erfolgreichen Besuch“ verbuchen. Leider erfüllte er den eigentlich Zweck, Einblick in die schulische Wirklichkeit zu bekommen, nur unzulänglich. Häckerling nimmt an, dass sich an dieser Praxis nichts geändert hat. Die 4,0 wird „die Oberen“ nicht beeindrucken. Sie sind nicht „belehrbar“ und werden sich trösten wie Schüler: Ich bin nicht schlechter als der Durchschnitt.

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