Digitales Schlusslicht

Das Schöne an Jahreswechseln ist, dass sich durch sie nichts verändert, sondern alles beim Alten bleibt. Die Probleme von 2017 sind auch die von 2018. Vor allem in den Schulen. Die heutige Zeitung macht das einmal mehr deutlich. Sie berichtet von einem Tübinger Institut, das an der Frage arbeitet: Wie gehen die Schulen mit der Digitalisierung um? Dabei begleiten sie ein paar „Pilotschulen“ – ja, die gibt es inzwischen im Lande Baden-Württemberg – auf ihrem Weg zu einem guten elektronisch gestützten Unterricht. Denn, so einer der Sätze in diesem Bericht: Es gibt auch schlechten. Nebenbei fällt der Hinweis auf eine Studie über den schulischen Digitalisierungsgrad Deutschlands. Es liegt bei der ICILS-Studie auf dem letzten Platz unter 18 vergleichbaren Industriestaaten. Wen wundert’s? Der Computer ist wahrlich keine neue Errungenschaft, aber man hat ihn hierzulande in guter Humboldt’scher Tradition als Teufelswerk, als Gefahr für die Kinder, als sinnlose Vergeudung von Ressourcen gebrandmarkt und sich so von der Entwicklung abgekoppelt. Die Kultusministerien haben sich vornehm ferngehalten von diesem technischen Kram. Man erinnerte sich gern an das Sprachlabor, das auch mal eine technische Neuerung war und den Schulen nichts gebracht hat. So würde es mit dem Computer auch werden, dachte man. Also gab es kaum Versuche, diese Entwicklung offensiv zu begleiten. Es gab lange keine Versuchsschulen, von Thinktanks ganz zu schweigen. Wenn etwas geschah, dann nur auf die Initiative Einzelner hin und in der Regel mit privaten Mitteln. Und jetzt hat man den digitalen Salat. Man liegt (hoffnungslos?) im Hintertreffen, ziert den Abstiegsplatz im weltweiten Ranking. Ob da ein kleines Tübinger Institut die Wende bringen kann?

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