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Verwirrte Balltreterzunft

Es ist das klassische Sommertheater und tatsächlich wesentlich interessanter als das Ungeheuer von Loch Ness, mit dem wir früher in der nachrichtenarmen Zeit unterhalten wurden. Ein Fußballspieler löst ein mittleres Beben in der Politik aus. Und die spielt begeistert mit, zumal es ja keine anderen oder gar wichtigere politische Probleme gibt. Dabei geht es gar nicht um die Frage, ob der Sportler Ö, seines Zeichens Multimillionär, wie Heiko M. sagte, gut Fußball spielt. Vermutlich schon, sonst wäre er nicht in der englischen Liga beschäftigt. Es geht auch nur ein bisschen um die Frage, ob Ö am verheerenden Auftritt der deutschen Mannschaft in Russland schuld sei. Ganz verneinen kann man das nicht. Vor allem jedoch dreht sich der Diskurs um das Problem der Integration. Ist sie gescheitert, weil Ö sich mit „seinem Präsidenten“ Erdenwahn in Wahlkampfzeiten hat ablichten lassen? Häckerling hält das für eine Scheindebatte. Hunderttausende haben unlängst diesen autoritären Führer gewählt und dazu sogar ihre Stimme auf „deutschem“ Boden abgegeben. Ist das schlimm, ist das ein Skandal? Ich schaffe es nicht, mich darüber aufzuregen. Mir ist nicht bekannt, dass unter den Türken ein unstillbares Bedürfnis nach Integration bestünde. Sie wollen einen Fuß an Elbe, Rhein, Neckar und Spree haben und einen anderen am Bosporus. Das unterscheidet sie wenig von jenen Deutschen, die sich deutsch aufführen, aber ziemlich russisch fühlen. Was soll man sich über etwas aufregen, was nicht zu ändern ist? Vielleicht ist das ganze „Nationale“ längst überholt, nicht nur beim Fußball. Es gibt Bundesligamannschaften, in denen keiner mitspielt, der mit dem Ort, die dieser Klub im Namen trägt, auch nur das Geringste zu tun hat. Warum sollte man das Vereinsmodell nicht auf die „National“mannschaften übertragen? Der DFB könnte sich ein Team zusammenkaufen und damit gegen andere pseudonationale Teams Art antreten. Oder man überließe diese Aufgabe der Industrie. Dann würde (wie bei der Tour de France) das Team „Mercedes“ gegen das Team „Google“ antreten. Und wir könnten auch im Sommer über wichtigere Themen diskutieren.

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