Gewähltes Debakel

Die Bayernwahl am Sonntag hat nicht unter einem Mangel an Kommentaren zu leiden. Die Medien überschlagen sich mit Versuchen, das Ergebnis für CSU und SPD mit passenden Wörtern zu kennzeichnen. Am beliebtesten ist das Wort „Debakel“. Wir haben es seit dem 19. Jahrhundert als Fremdwort im deutschen Wortschatz. Ursprünglich kommt es aus dem Französischen; dort bezeichnete es den „Eisgang“ bzw. seine Ursache: die plötzliche Auflösung des Eises durch Schmelzen. Das Bild hilft beim Verstehen des bayerischen Wahlgeschehens. Offenbar haben die beiden Volksparteien dort (und auch in Berlin?) schon seit Längerem auf dünnem Eis agiert. Der Schmelzvorgang wurde nun akut und die Eisläufer, die politischen Akteure, sind eingebrochen. Aber zum Glück hat die deutsche Publizistik Auguren, die in die Zukunft blicken und die weitere Entwicklung voraussagen können. Allerdings sehen sie Unterschiedliches. Die einen meinen den Abgang von Seehofer zu erkennen, der dann zu einem Opfer des Eisgangs würde. Aber andere meinen zu sehen, dass er bleibe. Auch die Kanzlerin wird von den einen als Verschwindende wahrgenommen, während andere sie noch eine Weile im Amt sehen. Leichter ist die Prognose, dass erst in zwei Wochen etwas geschehen wird, nach der Hessenwahl. Man darf gespannt sein, welches Wort dann zur Beschreibung der Lage Konjunktur haben wird.

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