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Gestenreicher Tag

Der Präsident und die Präsidentin des Parlaments haben es vorgemacht. Er überreichte ihr eine Kopie seiner Rede zur Lage der Nation. Sie wollte ihm die Hand schütteln. Er zog sie zurück. Dann hielt er seine Rede, in der es weniger um die Nation als um ihn selbst und seine grandiosen Erfolge ging. Beifall der Republikaner – da nimmt die Vorsitzende die Kopien der Rede und reißt sie (in zwei Tranchen) durch. Wie steht es um ein Land, in dem die einfachsten Regeln der Höflichkeit außer Kraft gesetzt sind? Szenenwechsel. Nach der Wahl des Ministerpräsidenten im Lande Thüringen sind manche perplex, manche jubeln, manche niedergeschlagen. Es gehört sich, dem Sieger zu gratulieren. Auch die Vertreterin der Linken hat das vor. Ihre Blumen waren für einen anderen bestimmt. Sie wirft sie dem Wahlsieger vor die Füße. Eine Beleidigung sollte das wohl sein. Ein Ausdruck der Verachtung und des Hasses auf „die Bürgerlichen“. Und das in einem Parlament! Wie steht es um ein Land, in dem die einfachsten Regeln der Höflichkeit außer Kraft gesetzt sind? Und noch ein Nachsatz: Es gab eine Zeit, da überboten sich die „etablierten“ Parteien in dem Gelöbnis, nie mit den Linken zu koalieren. Schließlich waren sie (und sind es immer noch) die Erben der kommunistischen DDR-Diktatur. Das hat man inzwischen völlig vergessen und auch das Geschehen von einst verziehen. Müssen wir alle heute die (ganz) Roten lieben und ihnen auch jegliche Unhöflichkeit (und ihre Politik dazu) durchgehen lassen?

1 Anwort auf „Gestenreicher Tag“

Ich bin einigermaßen fassungslos darüber, wie wenig die demokratischen Spielregeln noch gelten, wenn man sich einer demokratisch gewählten Partei moralisch überlegen zu fühlen versucht. Letztendlich hat das Parlament in Thüringen und die Bundespolitik die Chance auf einen bürgerlichen FDP-Ministerpräsidenten nun nachhaltig vergeigt. Demokratie und Föderalismus ist also, wenn “Frau Merkel” anordnet, dass es rückgängig gemacht werden muss. Da wird mir übel.

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