Unebene Fahrwege

Sindelfingen hat ein großes Problem: Der Stadt fehlt viel Geld. Der größte Gewerbesteuerzahler der Kommune, eine Firma, die dem Vernehmen nach besonders noble Karossen herstellt, hat es geschafft, den Sinn des Wortes Steuer umzudrehen. Nun zahlt Sindelfingen Gewerbesteuer an die Autobauer. Es handelt sich um ein Konjunkturprogramm der besonderen Art.

Wie zu hören ist, muss die Stadt zur Finanzierung dieser die Wirtschaft fördernden Maßnahme Kredite aufnehmen. Das ist nicht originell. Damit liegt sie ganz auf der Linie von Bund und Ländern. Auch die verschulden sich gewaltig, um, wie man sagt, „die Wirtschaft anzukurbeln“ (ein Bild aus der Autosprache?).

Aber die Sindelfinger Finanzfachleute haben dazu noch eine ganz besonders originelle und listige Idee: Wenn uns „der Daimler“ kein Geld gibt, so ihre Überlegung, dann lassen wir zum Ausgleich die Straßen verkommen. Es gibt eine Schlaglochtiefe, die rechtlich gerade noch erlaubt ist, das heißt die Stadt vor Strafanzeigen bewahrt. Wie tief es gerade noch geht, das wird derzeit offenbar mit Experten der Versicherungsbranche abgeklärt.

So werden also künftig die großartigen Autos mit dem Stern auf holprigen Straßen fahren müssen. Die Schlaglöcher werden zum Symbol der Löcher in der Stadtkasse. Wer sein Auto schonen will, muss langsamer fahren. Auch so kann man unsere Gesellschaft „entschleunigen“.

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2 Kommentare zu Unebene Fahrwege

  1. Boris sagt:

    So ich mich recht erinnere, führte das Ankurbeln nicht selten zu
    Fehlzündungen. Wollen wir hoffen, dass dies dieser Tage nicht eintritt.
    Das mit den Schlaglöchern klingt nach einem gewagten Plan. Denn zum
    einen ist das Versicherungsrecht glitschig wie ein Aal und zum anderen
    vertiefen sich die meisten Schlaglöcher mit der Zeit, insofern wird
    diese Lösung die Stadt nicht lange erfreuen

    • haecker sagt:

      Wahrscheinlich muss man eine neue Stelle schaffen: den des Schlaglochprüfers. Sie könnte vom Tiefbauamt besetzt werden; dort wird es an Beschäftigung eher mangeln.

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