Unheilige Religion: Fußball

Das Sonntagsblatt, das keine religiöse Postille, sondern die siebte Ausgabe unserer Tageszeitung ist – Sonntag Aktuell – thematisiert (am 9.8.09) den Fußball und nebenbei auch die Religion, indem sie beides in Beziehung bringt: Fußball sei für viele Menschen wichtiger als die Religion.

Man könnte die Aussage zuspitzen: Fußball ist für viele die Religion, denn mit ihm lebt man am Wochenende auf, von ihm lässt man sich „erfüllen“, über ihn spricht man und erregt man sich, ihn nimmt man wichtiger als vieles andere.
Diese Begeisterung über den Fußball – wie merkwürdig, dass in „Begeisterung“ das Wort „Geist“ vorkommt – müsste bei den Kirchen Neid auslösen. Wenn Kinder Fußball spielen, sind sie voll und ganz bei der Sache, sie geben ihr Bestes, sie werden aus Einzelkämpfern zu Spielern im Team, sie regen sich über einen „Fehlpass“ oder ein böses Foul auf; denn das sind schlimme „Sünden“. Aber sie freuen sich auch über gelungene Spielzüge und gar Tore und loben den Erfolgreichen, umarmen ihn, jubeln gemeinsamüber ihren Erfolg – ein Jubelchor der besonderen Art.

Dieses chorische Verhalten kann man auch in den großen Stadien, beim Profi-Fußball, erleben, und zwar nicht nur auf dem Rasen, sondern vor allenm auf den Rängen. Da finden sich Menschen emotional zusammen, die einander vorher fremd waren: sie schreien, sie leiden, sie freuen sich. Beim Fußball werden viele zu solchen Menschen, die sie in der Kirche eigentlich sein sollten. Dort, auf den Fußballplätzen, wird sogar über Entscheidungen der Obrigkeit, der Schiedsrichter, heftiger diskutiert als in den Kirchen über die Verlautbarungen der Kirchenoberen.

Im Gottesdienst geschieht derlei selten und wenn doch, dann eher verhalten. Ich wünsche der Religion mehr Fußballstimmung.

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Ein Kommentar zu Unheilige Religion: Fußball

  1. Boris sagt:

    Beim Fußball gehen die Menschen eher aus sich raus. Man redet eher über Fußball als über Religion (zumindest in unseren Breitengraden)
    Dadurch wird es als moderner und aktiver wahrgenommen.

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