Überlistet – sinnlose Opelei

Ein großer Aufwand ist sinnlos vertan worden. Stunden und Tage haben hochbezahlte Menschen aus Politik und Wirtschaft unendlich viel Papier bedruckt. In den Medien wurden wir Außenstehenden unaufhörlich von klugen Leuten informiert. Der Staat hat erkleckliche Sümmchen ausgegeben – wie viel eigentlich? Und nun bleibt Opel dort, wo es seit Jahrzehnten ist, bei GM, und es bleibt, was es seit Jahrzehnten ist, eine europäische Filiale des amerikanischen Autobauers.

Wäre dieses Theaterstück auch so abgelaufen, wenn in den letzten Monaten keine Bundestagswahl angestanden hätte? Wie wäre  entschieden und gehandelt worden, wenn es da nicht die Wahlstimmen der Arbeitnehmer gegeben hätte? Genau die aber, Opels Mitarbeiter, stehen nun im Herbstregen und wissen immer noch nicht, wie ihre Zukunft aussehen wird. Sie können einem leid tun.

Die Einmischung des Staates wurde allenthalben gefordert. Erreicht hat er nicht viel. Das stimmt nachdenklich. Haben wir in der letzten Zeit nicht immer wieder gehört, dass künftig wieder der Staat gefordert sei. Der hat sich auch gerne fordern lassen und dabei in der Illusion gewiegt, nicht nur gefordert zu sein, sondern auch fordern zu können. Das hat er getan, aber im Falle Opel mit geringem Erfolg. Und bei Quelle war das staatliche Wirken auch nicht so besonders erfolgreich. Vielleicht wird ja nur die Hypo Real Estate eine staatliche Erfolgsgeschichte. Nötig wäre mal eine.
(Blog-Eintrag Nr. 102)

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4 Kommentare zu Überlistet – sinnlose Opelei

  1. Tobi sagt:

    Außer Herrn von und zu Guttenberg scheint offenbar niemand in der politischen Klasse den ausreichenden Sachverstand und das Rückgrat zu besitzen, die Insolvenz der Firma Opel als sinnvollste Option zu fördern.

    Diese wird nun zwangsläufig kommen (wenn auch vermutlich erst in ein – zwei Jahren) und viel Geld kosten. Geld, das GM nicht hat und der Staat auch nicht. Trotzdem ist klar, wer am Ende bezahlen wird.

    Nur dass der Steuerzahler hinterher keinen Opel Corsa als Postwurfsendung im Briefkasten hat – obwohl es ihm moralisch als Dank sicher zustünde.

    • haecker sagt:

      An Tobi: Der Steuerzahler ist ein so diffuses und unbekanntes Wesen, dass er sich kaum Gedanken macht und auch keine Dank-Erwartungen hat. Die Ziele dieses gespaltenen Wesens heben sich gegenseitig auf: als Opelaner möchte es Geld spenden, als Quelle-Mitarbeiter lieber nicht, als HRE-Kunde eher doch, schließlich hat es auch Staatsgeld erhalten. Wie gut, dass es die Politiker gibt. Sie sind die Vormünder des Steuerzahler-Phantoms.

  2. Boris sagt:

    Es ist der gerechte Lohn für eine Politik, die sich einbildet, sie könne über den Besitz anderer Leute verfügen. Opel gehört GM und sie können damit tun und lassen, was immer ihnen gefällt. Wir haben eine freie Marktwirtschaft und solange unsere Politik diese zu umgehen versucht, wird sie immer auf die Nase fallen. Traurig ist, dass der Staat viel Geld geboten hat und jetzt wahrscheinlich, um nicht in den Verdacht zu geraten (was auch rechtliche Konsequenzen hätte), dass sie nur Magna
    helfen wollten, auch GM das Geld geben müssen.

    • haecker sagt:

      An Boris: Unsere Marktwirtschaft ist nicht „frei“ und ist es auch nie gewesen. Wir haben uns zu Beginn der Bundesrepublik auf eine „soziale Marktwirtschaft“ verständigt. Die soll den Arbeitnehmer vor der Willkür des Arbeitgebers schützen. Das ist im Prinzip richtig. Allerdings hatte ich das bisher so verstanden, dass der Einzelne, zum Beispiel bei Entlassung oder Krankheit, durch die Sozialgesetzgebung vor dem gesellschaftlichen Absturz und der persönlichen Insolvenz geschützt werden soll. Deshalb zahlen die Firmen auch Teile der Sozialbeiträge. Die Rettung von großen Firmen, nicht von kleinen und mittleren, ist eine politische Entscheidung. Dass die fast immer fragwürdig und unausgegoren ist, erleben wir 2009. Menschen entscheiden sich aus persönlichen Gründen für einen Beruf und einen Arbeitsplatz. Das respektiert der Staat. Er sollte sich daher auch zurückhalten, wenn sich die Entscheidung, aus welchen Gründen auch immer, als falsch herausstellt, aber er sollte helfen, dass die Folgen erträglich sind.

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