Überflüssig – protestantischer Flickenteppich

Endlich durfte sich der deutsche Protestantismus mal wieder des so schmerzlich vermissten Medienzuspruchs erfreuen. Die Ulmer Tagung der EKD-Synode, vor allem diverse Wahlen für die Leitungsgremien, machte es möglich. Was nun alle Fernsehzuschauer und Zeitungsleser wissen können: Die Evangelischen haben eine neue Person an der Spitze, Bischöfin Käßmann. Was wird die Nachfolgerin von Bischof Huber bewirken, was kann sie ändern, was hat sie eigentlich vor? Wir werden es erleben. Zu tun gibt es wahrlich genug. Der Protestantismus drückt sich darum, seinem Namen gerecht zu werden. Auch steht eine Reform der Kirchenstruktur an.

Die Zahl der evangelischen Landeskirchen und Kirchengemeinden ist zu groß und zu aufwändig. Sie so zu reduzieren, dass sie in etwa der Zahl der Bundesländer und der Kommunen entspräche, wäre an der Zeit und brächte eine deutliche Kostenersparnis bei der Verwaltung der Kirche – Geld, das an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt werden könnte.

Nehmen wir das Beispiel Sindelfingen und Böblingen: Während man auf der politischen Ebene einen Zusammenschluss der beiden Städte diskutiert, leisten sich die Evangelischen noch jede Menge Kirchengemeinden: in Sindelfingen und Böblingen, in Maichingen, in Darmsheim und Dagersheim. Dabei sind Sindelfingen, Maichingen und Darmsheim seit Jahrzehnten in einer Kommune vereinigt.

Nun wird gerne behauptet, das seien uralte Traditionen und die Kirche müsse im Dorf bleiben. Das soll sie ja, aber die Kirchenverwaltung müsste es nicht. Wozu müssen an allen diesen Orten Etats aufgestellt werden und Kirchengemeinderäte darüber beraten und beschließen? Wozu führt man an allen Orten Register und Ablagen, stellt Krankenschwestern ein und überprüft den ordentlichen Zustand der Immobilien? Das und anderes mehr ließe ich zentralisieren.

Aber im Großen sieht es nicht anders aus. Es gibt seit über einem halben Jahrhundert das Land Baden-Württemberg, aber noch immer zwei Landeskirchen, eine in Baden und eine in Württemberg, mit zwei Bischöfen, zwei Synoden, zwei oberkirchenrätlichen Verwaltungen. Was für ein Luxus!
(Blog-Eintrag Nr. 101)

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2 Kommentare zu Überflüssig – protestantischer Flickenteppich

  1. Boris sagt:

    Ein Luxus, der unzeitgemäß ist und einen Stein um den Hals darstellt. In Zeiten, wo die Zahl der Gläubigen nicht gerade im gleichen Tempo wächst wie die Inflation, wäre es höchste Zeit einzusparen

  2. Häcker sagt:

    Im Vergleich zu Niedersachsen ist Baden-Württemberg kirchenstrukturell noch ein Waisenknabe. Im Zusammenhang der Wahl von Bischöfin Käßmann durften wir erfahren, dass sich auf dem Gelände dieses Bundeslandes fünf evangelische Landeskirchen tummeln. Beeindruckend!

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