Schüler ohne Einblick

Eine Gruppe von Schülervertretern hat dieser Tage klagende Worte gegenüber Schulleitern geäußert. Der Grund: Sie werden nicht ausreichend informiert. Wesentliche Schreiben, auch solche des Kultusministeriums Baden-Württemberg, die ausdrücklich auch den Schülerinnen und Schülern bzw. ihren verfassten Organen zur Kenntnis zu bringen sind, würden ihnen vorenthalten. Das finden sie nicht in Ordnung. Man muss ihnen recht geben.

Es gibt sicher den einen oder anderen Grund der Entschuldigung. Die Schulleiter werden überfordert und sie sind es deshalb oft auch. Im hektischen Trubel des Schulalltags geht manches unter. In der Fülle der Informationen, die ihnen Tag für Tag auf den Schreibtisch (oder in den Rechner) geworfen werden, übersehen sie leicht, an wen was weiterzuleiten ist. In manchen Schulen dümpelt die SMV vor sich hin. Es kann auch sein, dass kein rechtes Vertrauen zwischen ihr und der Schulleitung besteht.

Trotzdem: Die Einbeziehung der Schüler (und natürlich auch der Eltern und des Kollegiums) in den Informationsstrom ist eine unabdingbare Voraussetzung für ein gutes Schulklima. Wer als Schulleiter seine Schule voranbringen will, muss alle einbeziehen in den Dialog. Man kann nicht vorne ziehen, wenn die hinter einem nicht wissen, wohin der Weg gehen soll und deshalb trödeln.

Allerdings genügt das bloße Informieren nicht. In regelmäßigen Gesprächen muss mit den Lehrerinnen und Lehrern, den Eltern und den Schülerinnen und Schülern über die Entwicklung der Schule gesprochen werden, sind Informationen „von oben“ zu interpretieren und ist der Stand der Dinge im eigenen Haus zu resümieren. Wer an solchen Gesprächen teilnehmen kann, fühlt sich ernst genommen und wirkt mit. Das kostet die Schulleiter auch Zeit, gewiss, aber sie ist gut angelegt.

(Blog-Eintrag Nr. 160)

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2 Kommentare zu Schüler ohne Einblick

  1. Boris sagt:

    Klar kostet es Zeit: ungefähr genau so viel, wie es einen Polizisten kostet eine Polizeikontrolle durchzuführen oder einen Maurer einen Ziegelstein zu setzen. Es kostet Zeit, aber genau das ist sein Job und genau dafür hat er die Zeit, es gehört zu seinen Aufgaben. Schulleiter zu sein, ist sicher keine leichte Aufgabe, selbst ich als Fachfremder habe ein schwache Ahnung davon, dass es mehr Arbeit ist als nur Reden zu halten und Schüler zu tadeln. Wenn ein Schulleiter dem nicht gewachsen ist, braucht er entweder einen Stellvertreter, der ihm zuarbeitet oder er ist nicht ganz der richtige für den Job.

  2. Häcker sagt:

    an Boris: Als einer, der auch mal Schulleiter war, habe ich viel Verständnis für Menschen in dieser Aufgabe. Da sie nicht genügend Zeit dafür haben, das zu tun, was sie tun müssten, stehen sie stündlich vor der Frage. Was mache ich nicht? Da entscheiden sie sich manchmal fürs falsche Unterlassen.
    Schulleiter zu sein kann lernt man nicht vorher. Das ist bei Polizisten und Maurern anders. Das Leiten einer Schule lernt man als Leiter. Vor allem lernt man aus den Fehlern, die man macht.
    Wenn man mich um einen Rat fragen würde – was man allerdings nicht tut – wäre meiner: Vereinfachung (= Reduzierung) der Verwaltung und die gewonnene Zeit für Gespräche nutzen. Bei denen wäre mein Rat: sie von vornherein zeitlich begrenzen, sonst ufern sie aus. Das Ergebnis der Besprechung wird in wenigen Sätzen festgehalten und allen Beteiligten kundgetan.

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