Wissen oder können

Der in diesen Tagen bekannt gewordene schulische Bundesländervergleich setzt etwas voraus, was in den hierzulande Schulen erst in Ansätzen angekommen ist: die Orientierung des Unterrichts an vorgegebenen Bildungsstandards und die Vermittlung von Kompetenzen. Das klingt furchtbar, ist es aber gar nicht. Denn schließlich kann sich die Schule nicht mit dem Ziel begnügen, die ihr anvertrauten jungen Menschen bilden oder ausbilden zu wollen, sie muss auch verbindliche Maßstäbe (oder eben Standards) haben, an denen sie messen kann, ob sie ihr Ziel erreicht hat.

Mit den Kompetenzen verhält es sich ähnlich. Viele Lehrer beteuern, sie hätten die vorgeschriebenen „Stoffe“ (Lehrinhalte) „behandelt“, „besprochen“ oder „durchgenommen“. Wenn die Schüler trotzdem nichts wüssten, dann seien sie eben faul gewesen. So rutscht die Verantwortung für den Unterrichtserfolg von den Lehrenden zu den Lernenden. Wenn man aber den Erfolg eines Unterrichts daran misst, ob die Schüler das können, was sie können sollen, wird es mit der Schuldzuweisung für das Misslingen schwieriger. Gewiss, es wird immer Schüler geben, bei denen aller Unterricht vergebliche Liebesmüh’ ist. Aber es tut dem Unterricht gut, wenn den Lehrkräften zurückgespiegelt wird, ob ihre Arbeit erfolgreich war, das heißt: ob sie ihr Ziel erreicht haben und die Schüler tatsächlich „etwas“ können.

Nun sagen manche: Das erfahre ich doch bei den Klassenarbeiten. Wer allerdings weiß, welche „saisonalen“ Bemühungen und kurzfristigen Lernanstrengungen (meist am Vortag) die Klassenarbeitsergebnisse abbilden, wird sich über die Aussagekraft dieser Arbeiten keine Illusionen mehr machen. Eine laufende, zielgenaue Überprüfung der Wirkungen des Unterrichts – und das heißt: feststellen, ob die geforderten Kompetenzen erworben wurden – müsste anders aussehen.

(Blog-Eintrag Nr. 193)

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2 Kommentare zu Wissen oder können

  1. Boris sagt:

    Ich bin nicht sicher, ob man die Lehrkräfte für die Leistungen der Schüler verantwortlich machen kann. Selbst der beste Schreiner kann aus einem Stein kein Boot bauen, das schwimmt, und so gibt es nicht wenige Schüler, die selbst bei guten Lehrkräften keine wirkliche Entwicklung aufweisen können. Ein Lehrer kann nur anbieten, das Aufnehmen des Gebotenen obliegt allein dem Schüler (klar man kann es hübsch verpacken, aber selbst dann entscheidet der Schüler). Ein Vergleich der
    Bundesländer wäre nur möglich, wenn alle die gleichen Lernhilfen und Klassenarbeiten hätten sowie die Schularten überall gleich wären. Dann allerdings, denke ich, sollte das Ergebnis vergleichbar sein.

    • haecker sagt:

      An Boris: Vergleiche sind dann möglich, wenn man die Erreichung von Zielen vergleicht. Die Wege zum Ziel sind notwendigerweise sehr verschieden, aber das ist ohne Belang. Nach meiner Kenntnis gibt es zwischen den Bundesländern eine Vereinbarung über die von den Schulen zu erreichenden Zielen.

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