Wissenschaft oder Didaktik

Die Gegenüberstellung in der Überschrift ist natürlich unsinnig. Wer einen guten Unterricht machen soll, der braucht eine solide fachwissenschaftliche Ausbildung und eine ebenso gründliche fachdidaktische Schulung. Dieser Gedanke ist nicht neu – welcher Gedanke ist das schon? – aber er hat in diesen Tagen neuen Schub bekommen.

Beim (in diesem Blog schon mehrfach kommentierten) Bundesländervergleich hat sich gezeigt, dass die Nicht-Gymnasiasten und die Schüler im Osten der Republik schwächere Leistungen in Englisch zeigen. Das lässt sich damit erklären, dass die Ausbildung der Lehrkräfte zu wünschen übrig lässt. Petra Stanat, die maßgeblich an der Vergleichsstudie beteiligt ist, hat dazu in der ZEIT (24.6.10) Kluges gesagt; es sei hier zitiert: „Ob ein Unterricht gelingt, kommt … sehr stark auf das fachdidaktische Wissen der Lehrkräfte an, und das setzt solides Fachwissen voraus.“ Und dann folgt eine Feststellung, die „ins Stammbuch“ all derer gehört, denen nichts Besseres einfällt, als unaufhörlich an der Qualität der gymnasialen Lehrerausbildung herumzudoktern: „Wer die Inhalte seines Unterrichtsfachs durchdrungen hat, vermittelt diese mit größerer Sicherheit, kann mit Fehlern der Schüler souveräner umgehen und auf vielfältigen Wegen intelligente Lerngelegenheiten schaffen.“

Also: die gründliche wissenschaftliche Ausbildung der Lehrer durch die Hochschulen ist unbedingt beizubehalten, auch wenn sie Zeit und Geld kostet! Zeit und Geld kostet allerdings auch die Einübung guter Fachdidaktik. Wer „intelligente Lerngelegenheiten schaffen“ soll, braucht hoch qualifizierte Fachdidaktiker sowie eine Atmosphäre der Ermutigung – in den Staatlichen Seminaren und in den Ausbildungsschulen! Das ist leider nicht immer der Fall.

(Blog-Eintrag Nr. 194)

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