Punkratius

Endlich hat es ein Schulleiter mal in die überregionale Presse geschafft. Es ist nicht sein poetischer Name (Matthias Isecke-Vogelsang), der ihm Publicity verschafft, es ist sein Outfit, wie man heute gerne sagt, sein äußeres Erscheinungsbild also, das die Stuttgarter Zeitung (vom 17.9.10), eine dpa-Meldung aufnehmend, so beschreibt: „Irokesenschnitt, Piercings, Schnürstiefel“.

Man sieht ihn mit ausgebreiteten Armen im Klassenzimmer stehen, vier Kinder schauen zu ihm auf, eines davon meldet sich. Auf dem schwarzen Sweatshirt steht der programmatische Satz: „Punks not Dead“. Der Mann ist 57, Fan der Toten Hosen, seit 31 Jahren verheiratet und Vater dreier erwachsener Kinder. Er leitet seit Kurzem eine Schule in Lübeck. Der Elternsprecher seiner alten Schule lobte ihn zum Abschied mit folgenden Worten: „Er hat den Kindern gezeigt, dass es nicht auf das Äußere ankommt. Er war eine Autorität.“ Der Satz regt zum Nachdenken an. Ist das so zu verstehen, dass der Mann trotz seines Äußeren eine Autorität ist? Oder ist er es nicht gerade deshalb? Weil er „authentisch“ ist? Weil er den Kindern die Pop-Kultur nicht madig macht, sondern sich mutig zu ihr bekennt?

Da sich die Suche nach Schulleitern immer schwieriger gestaltet, wäre zu überlegen, ob man die Ausschreibungen nicht um Sätze wie die folgenden ergänzt: „Habe den Mut, dich auf eine Schulleiterstelle zu bewerben. Du darfst so bleiben, wie du bist. Du musst nicht in Krawatte und Anzug herumlaufen, sondern darfst dich ganz locker kleiden. Wir freuen uns über deine Piercings oder Tätowierungen. Du musst nicht den Bildungsbürger mimen, sondern darfst deinen populären Kunst- und Musikgeschmack offen zur Schau stellen. Sage ja zu deinen Besonderheiten und du bist als Leiter einer Schule an der richtigen Stelle.“

Vielleicht ermuntern solche Aussichten den einen oder die andere dazu, sich auf eine solche Stelle zu bewerben.

(Blog-Eintrag Nr. 213)

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