Karlsküche

Es gibt Karlsruhe, Karlsbad, das Karlsgymnasium, den Karlspreis, die Karlshöhe und es gibt seit einiger Zeit „Karls Kitchen“. Liegt hier vielleicht ein Schreibfehler vor? Ist „Karls Kittchen“ gemeint? Und an welchen Karl sollen wir denken? An „den Großen“ – oder „nur“ an den von Württemberg? Wenn es nicht der große Karl ist, sondern nur der weniger große württembergische, dann könnte man bei „Kittchen“ an das Gefängnis auf dem Hohenasperg denken, wo einst die Intelligenz des Landes ihre Bleibe fand. Denn die Herrscher hierzulande waren wenig erbaut von Kritik. Das wusste schon Schiller. Deshalb hat er sich rechtzeitig nach – ja, ich muss es zugeben – nach Baden abgesetzt.

Es geht bei dem Kitchen- oder Kittchen-Karl um den Württemberger, denn es ist ein Stuttgarter Kaufhaus, das sich ihn zum Namensgeber ihrer umgebauten Gastronomie erkoren hat: dem Breuninger verdanken wir diese wunderbare neue Sprachschöpfung. Und ergo ist es nicht das Kittchen, in das er uns einlädt – so viel Gaunerei ist einem ehrbaren mittelständischen Unternehmen auch nicht zuzutrauen – es ist eine Küche, die Karlsküche, die uns zum Essen verlocken soll. Damit wir es nicht auf Anhieb missverstehen – denn wer will schon in der Küche essen? – hat man zum Englischen gegriffen und nennt das Ganze „Karls Kitchen“. Breuninger liebt englische Wörter. Man nennt sich gerne ein „Fashion- und Lifestyle-Unternehmen“. Dumm nur, dass die Kunden, auf deren Geld man aus ist, zumeist das Schwäbische benutzen. Aber vielleicht ist ja auf der Leitungsebene beim Breuninger inzwischen Englisch die Verständigungssprache.

Häckerling, einst ein Besucher des Breuninger-Restaurants, hat nur einen Blick ins Kitchen geworfen und sich dann schnell aus dem Staub gemacht. Nichts gegen den württembergischen Karl, aber ein Kitchen hat er nicht verdient. Das soll eine Kritik sein, ja, aber zum Glück droht heute dafür nicht mehr das Gefängnis auf dem Hohenasperg.

(Blog-Eintrag Nr. 232)

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2 Kommentare zu Karlsküche

  1. Hardy sagt:

    Häckerling hat zwar den richtigen Einstieg gefunden, ist dann aber im Labyrinth der Karle einer Verirrung erlegen. „Karls Kitchen“ bezieht sich namentlich auf die Adresse Karlspassage, über der das Restaurant gelegen ist. Die Karlspassage hat ihren Namen vom Nachbar Karlsplatz und der wiederum von unserem württembergischen Karl dem I. und wohl dem letzten. Unser Karl war bekanntlich einem amerikanischen Charles derart zugetan, dass Hardy es sich versagt, dessen Nachnamen zu zitieren. Herr van Agtmael, übrigens ein Holländer, der wie alle Holländer der englischen Sprache in Wort und Schrift vollständig mächtig sein dürfte, hat nun eine sehr diplomatische Wahl bei der Taufe seines neuen Lokals getroffen. Er nannte es nicht „Charlys Kitchen“, was angesichts der Sucht des Stammtischpublikums nach Anglizismen nahe gelegen hätte, sondern er verfiel auf den unglaublich innovativen Begriff „Karls Kitchen“. Was wollte uns Willem damit sagen? „Charlys Kitchen“ musste wegen des engen räumlichen und damit höfischen Zusammenhangs mit der Karlspassage, dem Karlsplatz usw. als eine Anglisierung des Namens und damit Herabwürdigung von König Karl verstanden werden; sie könnte zudem als Bevorzugung von Charles und damit als eine posthume Absolution einer staatsrechtlich indiskutablen Liaison interpretiert werden, die sogar Bismarck im fernen Preußen erzürnt hatte. Dies konnte sich Willem aus dem um einiges näher gelegenen Holland nicht leisten. So verfiel er auf den Begriff „Karls Kitchen“, der an Romantik nicht zu überbieten ist, erinnert dieser doch nicht nur in höchst feinsinniger Weise an die menschlichsten aller Neigungen einer württembergischen Majestät zu einem amerikanischen Geschlechtsgenossen sondern vereint beide mit dieser einmaligen Namensgebung auf staatsrechtlich unbedenkliche Weise zu einem dauerhaft glücklichen Paar.

    Übrigens: Der Rostbraten in diesem Lokal, über dessen Ambiente man sich in der Tat besser nicht äußert, ist einwandfrei.

  2. Boris sagt:

    Es droht höchstens ein Hausverbot, doch dazu müsste die Breuninger-Führung
    des Lokals einen lokalen Blog lesen, zudem noch in deutsch. Dies ist eher
    unwahrscheinlich, besser, die Wahrheit ist eher, dass weder der Häckerling
    noch der Verfasser dieser Blogantwort die Zielgruppe dieser Lokalität ist.

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