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Das Gymnasium und seine doppelte Geschwindigkeit

Im achtjährigen Gymnasium … wollen wir die Schülerinnen und Schüler in der Unter- und Mittelstufe entlasten. Gleichzeitig wollen wir den Gymnasien die Möglichkeit geben, auf Wunsch der Schulkonferenz und auf Antrag des jeweiligen Schulträgers, zunächst als Schulversuch, zwei Geschwindigkeiten, also einen achtjährigen oder neunjährigen Zug, einzuführen. Grundlage hierfür ist der G 8-Bildungsplan. An den allgemein bildenden Gymnasien gibt es dann Wahlfreiheit zwischen zwei Geschwindigkeiten zum Abitur.

So steht es im Koalitionsvertrag von Grün-Rot in Baden Württemberg. Der nun ruchbar gewordenene Plan der neuen Kultusministerin – die Klassen 5 und 6 des Gymnasiums in zwei oder wahlweise in drei Jahren absolvieren zu dürfen – ist eher ein Witz denn die Einlösung dieses Wahlversprechens. Die versprochene doppelte Geschwindigkeit bliebe bliebe auf die Unterstufe begrenzt, die Mittelstufe außen vor.

Und was sollen die Kinder in diesen drei Jahren tun? Vorauslernen, zum Beispiel in der zweiten Fremdsprache, damit sie gegenüber den anderen, die schon nach zwei Jahren in die Klasse 7 kommen, noch eine Weile einen kleinen Vorsprung haben? Sollen die dann 13-jährigen G9-Kinder körperlich kräftiger sein als die erst 12-jährigen G8-Kinder und es damit leichter haben, denen eins auf die Mütze zu geben?

Die Frage, wie die „Parkklasse“ heißen soll, ist nicht trivial. Der Name 6/1 wurde schon angeboten. Aber anderes wäre auch möglich; meine Vorschläge: Klasse 568 oder G9P der GR (für Grün-Rot).

Wer solche Ideen gebiert, zeigt damit, wie wenig er vom Gymnasium versteht oder wie unwichtig es ihm ist.

3 Antworten auf „Das Gymnasium und seine doppelte Geschwindigkeit“

Die Klassen 5 und 6 in drei Jahren – das klingt nach staatlich verordnetem Sitzenbleiben. Was soll aus den Looser-Schülern denn werden, die zwei Klassenstufen in drei Jahren machen? Die können ja praktisch nur noch Politiker werden!

Die Idee ist gut, denn ihre Umsetzung brächte eine “Entschleunigung” der Politik – mit der möglichen, durchaus erfreulichen Konsequenz, dass dort künftig zuerst gedacht und dann gehandelt wird.

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