Phantome und Gutachten

Die Familienpolitik bewegt sich in Richtung Wahlkampf. Der SPD-Kanzlerkandidat hat ein Programm verkündet, durch das künftig alles besser werden soll. Denn das viele Geld (von 200 Mrd. Euro ist die Rede), das wir derzeit sinnlos ausgeben, soll nach seinen Vorstellungen in die Verbesserung der Strukturen fließen, vor allem in die Kindertagesstätten. Das klingt gut. Es wird sicher viele kinderlose Ehepaare endlich zum Elternwerden verführen. Die bisherige Förderung der Familien hatte nicht diese fruchtbare Wirkung.

Das sagt, sagt Steinbrück, ein Gutachten, welches die Bundesregierung in Auftrag gegeben hat. Es teile mit, man könne die ganz bisherige Familienförderung in die Tonne werfen, das Kindergeld vor allem und das Ehegattensplitting ganz besonders, das neue Betreuungsgeld sowieso. Was der Steinbrück alles weiß! Man muss wohl sagen, er weiß es schon. Denn andere wissen es noch nicht. Die Familienministerin zum Beispiel hat keine Ahnung davon. Aus ihrem Haus kommt die Nachricht, man kenne das Ergebnis des Gutachtens nicht. Ein Zwischenbericht liege dort nicht vor.

Was für ein Skandal! Da wird im Rundfunk den ganzen Tag vom gutachterlich bestätigten familienpolitischen Offenbarungseid geredet, in allen Nachrichten, auf allen Kanälen – und da wissen die Auftraggeber nichts davon! Liegt es daran, dass sie am Wochenende nicht alle eingehenden Mails gelesen haben? Oder ist hier ein Phantom in die politische Szene eingeschleust worden, das Phantom eines Gutachtens, das nur Auserwählten, Steinbrück zum Beispiel, zu erscheinen geruht? Immerhin: Er weiß alles und sogar besser.

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