Die USA und meine Geheimnisse

Nachdem der Verfasser dieser Zeilen einen neuen Vertrag mit seiner Bank über die online-Nutzung seiner Konten unterschrieben hat, fragt er den Berater: „Und können Sie ausschließen, dass diese Daten an die USA weitergeleitet werden?“ – „Nein, das kann ich nicht.“ Ich könnte ja, muss ich mir hinzudenken, mit diesen Konten allerlei Geldwäsche betreiben und mit dem gewaschenen Geld terroristische Aktionen unterstützen. Das könnte ich natürlich. Mein Leben würde dadurch eine neue Wendung nehmen.

Der Bundespräsident ist glücklich über die genaue Überwachung aller Menschen. Es erhöhe sein Gefühl für Sicherheit, hat er gesagt. Aber natürlich soll alles nach gesetzlichen Regeln ablaufen. Um wessen Gesetze geht es dabei? Haben unsere Parlamente die rechtlichen Grundlagen dafür geschaffen, dass die Amerikaner (und die Briten und?) unsere elektronische Kommunikation nach Verdächtigem durchstöbern? Wenn ja, dann habe ich nicht aufgepasst.

An dieser Stelle möchte ich deutlich machen, dass auch ich kein Opfer des islamistischen Terrors werden will. Aber mein Gefühl für Sicherheit sinkt eher, wenn ich weiß, dass unsere Freunde in den USA digitale Akten über mich anlegen, dass 800000 Menschen Zutritt zu meinen kleinen Geheimnissen haben, dass sie wissen können, von wem ich Geld erhalte und wofür ich es ausgebe. Noch unsicherer macht es mich, für einen potenziellen Staatsfeind gehalten zu werden. Das, lieber Herr Gauck, sind keine guten Gefühle.

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5 Kommentare zu Die USA und meine Geheimnisse

  1. Boris sagt:

    Dass ein anderer Staat uns überwacht, können unsere Gesetze nicht verbieten (sie betreffen ja nur unser Terriorium). Die Tatsache, dass es herauskommt, zeigt, dass deren Geheimdienste Fehler machen, und dass unser Geheimdienst uns nicht abschirmen kann (was, denke ich, mit zu seinen Aufgaben gehört). Man kann nur hoffen, dass nicht bald auch unserem Geheimdienst vorgeworfen wird, zu überwachen (wobei ich hoffe, dass er dies besser tut als alle anderen und sich dabei im Gegensatz zu anderen nicht erwischen lässt). Sollten die USA die gewonnenen Daten gegen den einfachen Bürger einsetzen wollen, wäre das wohl unwirtschaftlich, denn die Geldbewegungen der meisten unserer Bürger dürften nicht mal die Tageskosten dieser Überwachungsanlagen decken. Somit denke ich, sollten wir uns darauf konzentrieren, dass hier nicht wertvolle Informationen (Industriedaten und eigene Geheimprojekte) aus unseren Händen gleiten, alle anderen Informationen werden uns, so sie nur von einem Geheimdienst gelesen werden, kaum schaden können, wohl aber den Terroristen und Kriminellen.

  2. Häcker sagt:

    Wenn ein anderer Staat bei uns kriminelle Handlungen begeht oder wenn er deutsche Staatsbürger rechtswidrig plagt, geht uns das sehr wohl etwas an. Herausgekommen ist diese Rechtswidrigkeit unserer amerikanischen „Freunde“ durch einen Einzelnen, der – so hoffe ich – aus Gewissensgründen gehandelt hat. Die USA-Administration wird unsere Daten nicht selbst nutzen, aber unter den 800000, die darauf Zugriff haben, gibt es bestimmt einige, die sie gegen Geld weitergeben, an Firmen, Banken, Agenturen, vielleicht auch – und dann wird es pervers – an den deutschen Staat. Warum sollte der nicht den Amis CDs abkaufen, wenn er bei den Schweizern keine Skrupel hat? Das kann dann ganz schön wirtschaftlich werden und jedem Einzelnen schaden.

  3. Boris sagt:

    Wenn das hilft, Steuersünder/Kriminelle aufzuspüren, dann unterstütze ich das sogar. Wenn es jenen schadet, die dem Staat schaden, dann tut unser Geheimdienst genau das, was er soll, den Staat als Ganzes auf lange Sicht schützen. Wie ich jetzt lese, war unser Geheimdienst informiert, also kann man hier Entwarnung geben. Wir haben als Staat von der Überwachung sichterheitstechnisch sogar profitiert. Ein Geheimdienst überwacht, das ist seine Aufgabe. Keinen zu haben wäre naiv, ihn zu sehr an die Leine zu nehmen, unproduktiv. Wir sollten uns eher Sorgen darum machen, dass es einem Einzelnen gelingen kann, einen Geheimdienst auf einen Schlag nur noch halb so geheim dastehen zu lassen.

  4. Häcker sagt:

    Es mag ja sein, dass ein Staat einen Geheimdienst braucht, um irgendwelche Feinde (Steuersünder, Kriminelle, Terroristen oder was auch immer) abzuwehren. Ich dachte bisher, das sei Sache der Polizei, aber sei’s drum. Auch die DDR hatte einen Geheimdienst. Trotzdem gab es auch dort immer wieder Verbrechen und sie ist sogar untergegangen – die Stasi war wohl doch nicht so effizient. Dass sich die Amerikaner in ihrer Angst ein ganz tolles Überwachungssystem halten, ist ihre Sache, da mische ich mich nicht ein. Vielleicht beruhigt es ja die Menschen dort, obwohl es in den USA trotzdem jede Menge Verbrechen und sogar terroristische Anschläge gibt, wie mir die Medien erzählen. Das Argument, ohne Überwachung gäbe es noch viel mehr, finde ich lustig, denn beweisen kann das niemand.
    Aber die entscheidende Frage bleibt – auch Frau Merkel stellt sie immer wieder: Wird von einer fremden Macht das in Deutschland geltende Recht gebrochen? Wenn nicht, kann die NSA weitermachen.; dann geht uns das nichts an. Wenn aber doch, dann ist es ein Skandal: Denn daran halte ich fest: Ein Rechtsstaat, der nur durch den Bruch des Rechts geschützt werden kann, ist des Schutzes nicht wert.

  5. Tobias sagt:

    Der eigentliche Skandal dabei ist ja in dem beschriebenen Fall, dass die Bank sich nicht in der Lage sieht, die Daten deutscher Bankkunden innerhalb des Landes zu schützen. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen, denn an welchen Stellen könnten die fremden Dienste zugreifen:

    * Auf dem lokalen Rechner per Keylogger, um die Transaktion vor der Verschlüsselung im Browser abzufangen (persönliches Problem oder man postuliert Hintertüren in allen Betriebssystemen)

    * Während der Übertragung vom Browser zum Frontendrechner der Bank sind die Daten symmetrisch verschlüsselt mit mindestens 128 Bit , was zumindest nicht in Echtzeit geknackt bzw. mitgelesen werden kann (so ist die wissenschaftliche Meinung)

    * Im Bankenrechenzentrum, wo die Daten vom Frontend über verschiedene Schutzsysteme an den Großrechner weitergesendet werden, wo das Konto verwaltet wird.

    Unter der Annahme, dass der lokale Rechner (für den die Bank per AGB jegliche Verantwortung ausschließt) nicht kompromittiert ist, würde das bedeuten, dass NSA & Co. Zugang zum Rechenzentrum der Bank haben. Was wiederum die gesamte „Sicherheit“ der Bank ad absurdum führen würde.

    Da frage ich mich dann schon, warum die Fiducia „aus Sicherheitsgründen“ noch nicht mal die genauen Standorte ihrer Rechenzentren in Durlach veröffentlicht, wenn ausländische Geheimdienste direkten Zugriff haben?

    Aber das ist alles nur Spekulation…

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