Der Protestantismus und die Familie

Sie wollen die Familie verteidigen, die Rechtgläubigen in der evangelischen Kirche Württembergs, vorneweg ihr Bischof July. Aber welche Art von Familie meinen sie? Wahrscheinlich jene mit Mutter und Vater und zwei Kindern. Die leiten sie „aus der Bibel“ ab und werfen der neuen EKD-Schrift „Familie als verlässliche Gemeinschaft“ vor, sie tue das nicht, sondern öffne anderen sozialen Lebensweisen Tür und Tor. Das tut sie allerdings, wobei man diesen neuen Formen keine Tür mehr öffnen muss; sie sind schon da.

In besagter Studie steht unter anderem: Eine breite Vielfalt von Familienformen ist, historisch betrachtet, der Normalfall. Das heute von den Frommen so hoch gehaltene Familienideal habe sich erst im 18. Jahrhundert entwickelt. In der Familienschrift wird auch festgestellt: Ein normatives Verständnis der Ehe als ‚göttliche Stiftung‘ und eine Herleitung der traditionellen Geschlechterrollen aus der Schöpfungsordnung entsprechen nicht der Breite des biblischen Zeugnisses. Was ist falsch an dieser Aussage? Was weiß der württembergische Bischof, was die EKD-Sachverständigen nicht wissen?

Dass auch der Kommentator der Stuttgarter Nachrichten sich letzte Woche in den Chor derer eingereiht hat, die der evangelischen Kirche raten, mehr (konservative) „Kante zu zeigen“, und mit Bedauern konstatiert, die Evangelischen hätten keinen Papst, der ihnen die Linie vorgibt, irritiert mich. Bisher, so dachte ich, dürfen Protestanten selber denken. Auch der Bischof July darf das und seine konservativen Adepten dürfen es auch. Aber ich erlaube mir trotzdem, jener Position zuzuneigen, die der künftige Landesbischof von Baden geäußert hat. Er hat die EKD-Schrift gelobt. Auch ich finde sie lobens- und lesenswert.

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