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Winterspott

Die Überschrift bietet einige Möglichkeiten. Ich könnte mich über die Schneelosigkeit und Kältearmut dieses Winters ergehen, über die riesigen Mengen sinnlos eingelagerten Salzes und Splitts lustig machen. Aber das wäre unfair, denn auch die Kommunen konnten im letzten Sommer nicht ahnen, was das für ein Winter würde. Auch unsere Meisenknödel hingen vergeblich im Garten. Die Vögel habe auch so überlebt.

Am meisten reizt es, über die olympischen Winterspiele zu spotten. Aber das haben schon viele Kommentatoren erledigt. Der Sommerbadeort Sotchi als Winterspielstätte – geschenkt. Putins vergeudete Milliarden – ebenfalls geschenkt. Die mäßigen Erfolge der deutschen „Olympioniken“ – auch das geschenkt.

Aber was heute in der Zeitung zu lesen ist – die überaus hohe Sehbeteiligung bei den Übertragungen der Winterspiele –, das ärgert mich schon. Mein Boykott, der Verzicht, dieses langweilige und unsinnige Spektakel auch nur eine Stunde anzuschauen, er lief ins Leere. Denn offenbar war ich der Einzige, der sich dieser Vergeudung von Fernsehgebühren verweigert hat. Viele haben angekündigt, aufs Anschauen abfahrender Schiläufer, Schlitten und Bobs zu verzichten, aber nur wenige konnten „zwei Wochen ohne“ durchhalten.

Sie bekommen aber eine neue Chance: Sie können nun in der „Fastenzeit“ beweisen, dass sie „sieben Wochen ohne“ durchhalten.

2 Antworten auf „Winterspott“

Ich kenne eine weitere aktive Boykotteurin: Charlotte, meine Stieftochter. –
Mein Mann hingegen hat aus Sicht der unpolitisch, aber kooperativ engagiert Teilnehmenden argumentiert: vor allem sie würden durch Nichtwahrnehmung unschuldig bestraft werden. –
Ich selbst habe dies Ereignis subjektiv weitgehend ausgeblendet. Als ich allerdings zufällig nun in die Abschlussveranstaltung einklingte und die Szene mit den Büchern und Puschkinzitaten mitbekam, hat mich das emotional sofort berührt.
Muss man nicht immerhin froh sein, dass Werbung noch auf echte Qualitäten zurückgreift?

Ein bisschen geht es mir wie denen, die sich trotz des Hitler-Faschismus nicht von der Bewunderung deutscher Kultur (Musik, Literatur und dergleichen) abbringen ließen. Während wir Olympia boykottierten, haben wir uns täglich von Ulrich Noethen “Anna Karenina” vorlesen lassen. Lew Tolstois Blick auf das Russland des 19. Jahrhundert ist faszinierend.

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