Datensauger

Eine Dreizehnjährige hat sich elektronisch als Mitglied von Al Kaida bezeichnet. Das sollte natürlich ein Witz sein. Aber die international agierenden Datensauger haben diese SMS bemerkt und die zuständige Polizei beauftragt, den Urheber dieser Botschaft zu kontaktieren. Die junge Dame konnte dann glaubhaft machen, dass ihre Botschaft witzig gemeint war. So wurde ihr manches erspart.

Ist das eine erfreuliche Geschichte, weil sie gut ausgegangen ist? Nein, es ist eine besorgniserregende, macht sie doch deutlich, dass die globale Ausspähung funktioniert, und zwar nicht nur bei Vorliegen eines Verdachts, sondern permanent. Verdächtig sind wir alle, jetzt und immerdar. Und wenn wir uns verdächtig gemacht haben, müssen wir dafür kämpfen, dass der Verdacht verschwindet. Das ist eine Umkehrung der „Beweislast“, denn bisher war es üblich, dass wir erst bei begründetem Verdacht und erst auf richterliche Anordnung ausgespäht werden durften. Jetzt werden wir es ohne Grund – und wehe, wir liefern bei der Routine-Überwachung einen!

Es ist merkwürdig, wie schwach die Aufregung über diesen skandalösen Zustand ist. Manche meinen immer noch, sie hätten nichts zu verbergen, man könne sie also gerne überwachen. Das ist naiv, denn aus Informationen über einen Menschen Verdächtiges zu stricken ist keine Kunst.

Bedenklich finde ich – obwohl mich sonst mit Ströbele nichts verbindet –, dass unsere großartige Regierung das Menschenrecht auf Schutz der Persönlichkeit dem Wohl der deutsch-amerikanischen „Freundschaft“ opfert. Was ist das für eine merkwürdige Freundschaft?

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