Geschwätz

Der Papst hat seine höchsten Mitarbeiter daran erinnert, dass sie nicht eitel sein und nicht bloßes Geschwätz von sich geben sollen. Eine solche Mahnung findet sich bereits im Epheserbrief (4,29): Lasset kein faul Geschwätz aus eurem Munde gehen, sondern was nützlich zur Besserung ist, wo es not tut, dass es holdselig sei zu hören. Leider macht die Einheitsübersetzung aus der etwas verquer klingenden Luther-Version eine eher lahme Ermahnung: Über eure Lippen komme kein böses Wort, sondern nur ein gutes, das den, der es braucht, stärkt und dem, der es hört, Nutzen bringt. Aber immerhin: Es wird daran erinnert, dass beim öffentlichen Reden (wir dürfen an die Kanzel, aber auch an die Mikrofone denken) nicht die eigene Befindlichkeit im Vordergrund zu stehen hat, sondern die des anderen, also der, dem das Reden gilt.

Es ist ein Kreuz, was man heutzutage an sonntäglichen Reden von der Geistlichkeit und an Sonntagsreden der weltlichen Herrschaften geboten bekommt. Langweilige, sprachlich dürftige, formel- und floskelhafte Texte sind leider der Normalfall. Sie verführen zum Abschalten der Aufmerksamkeit, sie bewegen nichts, weil es ihnen selbst an Bewegung fehlt. Geschwätz halt, nicht einmal ein böses, sondern einfach nur eines ohne Saft und Kraft, nutzloses und wirkungsloses Gerede eben. Es ist eine Sprache, die nichts benennt oder durchdringt, sondern nur sich selbst reproduziert. Eine Sprache, die kein Werkzeug der Vermittlung ist, sondern sich selbst genug ist. Vielen Rednern heute fehlt es am Mut zur klaren Aussage, vielen leider auch an der Professionalität beim Umgang mit dem schönsten Kulturgut, das wir haben, unserer Sprache.

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