Unvergleichbarkeit

Nachdem die Kultusminister der Länder wieder einmal etwas festgestellt haben, was seit Jahrzehnten bekannt ist – die Durchschnittsergebnisse beim Abitur klaffen weit auseinander – verfallen sie wieder einmal in Aktionismus. Sie wollen das Abitur vergleichbar machen. Dabei scheiden sie ein bundesweites Zentralabitur von vornherein aus. Das hätte die Vergleichbarkeit gewiss erhöht, wäre aber noch fehler- und betrugsanfälliger als ein nur landesbezogenes Zentralabitur. Nun suchen sie das Heil in einer bundesweiten Aufgabensammlung, aus der sich die Länder bedienen könnten, wenn sie das wollten. Aber so einfach ist das nicht. Hinter den differierenden Abitur-Ergebnissen stecken unterschiedliche Schulsysteme, ungleiche Bildungspläne und verschiedenartige Unterrichtsweisen. Die Zahl, die am Ende eines 12- oder 13-jährigen Schülerlebens die Leistung markiert, ist die Summe einer 19- oder 20-jährigen Bildungsgeschichte. Unterschiedliche Gesamtdurchschnitte bilden statistisch tausendfache Einzelfälle ab. Eine Verschiedenheit der Abiturergebnisse gibt es auch an den Schulen eines Landes wie Baden-Württemberg und es gibt sie zwischen den Kursen einer Schule. Schon die Ergebnisse von Klassenarbeiten an einer Schule können deutlich auseinander liegen: Die 7a schafft ein 2,6, während die 7b bei der gleichen Arbeit nur ein 3,4 erzielt. Das hat natürlich einen Grund und die Schulleiter sind gehalten, ihn zu finden, aber selbst wenn sie ihn kennen, ist Abhilfe schwer zu schaffen. Ich fürchte, die Differenz in den Ergebnissen des Abiturs der deutschen Länder wird uns noch ein Weile erhalten bleiben.

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