Jahreswechsel

Was treiben wir doch für einen Kult um den Wechsel des Jahres! Beim Einkaufen der für den Silvesterabend obligaten Zutaten wird spätestens an der Kasse ein guter Rutsch gewünscht, im Radio muss jeder, der ansagt oder moderiert, das kommende Jahr beschwörend ein gutes nennen. Politisch Tätige würden sich einer schweren Unterlassung schuldig machen, wenn er oder sie nicht angesichts des neuen Kalenderblatts öffentlich äußerte, die Kanzlerin vorneweg. Da werden wir ermahnt, Ruhe und unsere Lebensweise zu bewahren, keine Hassgefühle zu entwickeln, uns als Deutsche zu fühlen, aber auch an die Not der Welt zu denken. Das könnte man natürlich jeden Tag sagen, aber nur beim Jahreswechsel ist es offenbar wichtig. Leider passieren solche erheiternden Fehler wie zu Kohls Zeiten nicht mehr, als man aus Versehen das Band vom Vorjahr in die Abspielmaschine geschoben hat. Nur wenige haben etwas gemerkt. Zu den üblen Machenschaften an Silvester gehört das Zündeln mit Feuerwerk. Noch Wochen später findet man auf der Straße und im eigenen Garten Reste von Böllern und Raketen. Über die Nachricht, dass bei dieser Jahresendaktion ein beträchtlicher Teil des jährlichen Feinstaubs erzeugt wird, wird nur gelächelt. Wenn es ums Vergnügen geht, duldet der deutsche Mensch keine Einschränkungen. Daher dürfen die Polizisten sich heute nicht erholen. Nachdem sie wochenlang Weihnachtsmärkte bewacht haben, werden sie an Silvester eingesetzt, um den Massenaufläufen in den Großstädten Schutz zu gewähren. Köln will diesmal keinen Fehler machen. Zum Glück stehen heute und morgen keine Fußballspiele an. Häckerling meint: Statt der vielen Reden zum neuen Jahr wären ein paar seit langem geforderte Taten nicht schlecht. Private Feuerwerke gehören verboten, das Knallen zumal – böse Geister, die man damit vertreiben könnte, gibt es heuer nicht mehr. Wer es unbedingt braucht, dem wird an zentraler Stelle ein von der Kommune organisiertes Lichterspektakel geboten. Wer schlafen will, darf es, sogar das Haustier.

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