Beiratratschläge

Zu den schönen Traditionen der hiesigen Bildungspolitik gehört die Einrichtung von Beiräten. Sie sollen raten, wenn man nicht mehr weiter weiß. Den neuen Beirat des Kultusministeriums von Baden-Württemberg soll Ulrich Trautwein leiten. Was er in der Zeitung zu sagen hatte, klingt vernünftig, aber auch ernüchternd. Eine Wirkung seines Wirkens werde frühestens in zehn Jahren eintreten, denn Änderungen im Bildungssystem greifen langsam. Zumal Baden-Württemberg seit langer Zeit stagniere. Auch gebe es hier eine „erschreckend große Risikogruppe von leistungsschwachen Schülerinnen und Schülern.“ Es fehle an „aussagekräftigen Daten zum Schulsystem“. Die Chancen der Vergleichsarbeiten hat man sinnlos vergeigt. Diese Arbeiten sind bedeutungs- und folgenlos. Der Aufwand dafür, sage ich, ist sinnlos. Man hat in den Schulen „Qualitätsverletzungen“, wo man sie denn feststellte, „nicht wahrgenommen“, also unter den Teppich gekehrt. Dem Land fehle der Wille, „die Qualität von Lernprozessen systematisch zu erfassen und zu verbessern.“ Trautwein vermeidet es, die Schuldigen zu benennen. Aber wahrscheinlich liegt man mit der Einschätzung richtig, dass eine unheilige Allianz von Politik und Lehrerverbänden am Werk war. Ich erinnere mich, dass alle mutigen Ansätze am Beharrungsvermögen der Verantwortlichen gescheitert sind, sei es – um nur ein paar Stichworte zu nennen – eine verpflichtende Fortbildung für alle Lehrkräfte, die Bewertung der Vergleichsarbeiten als „echte Klassenarbeiten“, die Veröffentlichung von Ergebnissen der Fremdevaluation. Trautwein sagt, was wir alle schon wissen: Die Qualität eines Bildungssystems liegt an der Qualität des Unterrichts. Die aber interessiert hierzulande eigentlich kaum jemand.

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