Bahnlos

Wer seinen Beitrag zur Verschmutzung der Luft reduzieren will, hat mehrere Optionen. Man kann z. B. weniger heizen – das geht im Sommer ganz gut. Man kann auf Flugreisen verzichten und zu Hause bleiben. Der Blick auf das Grün hinterm Haus und in der Siedlung ersetzt zwar das Bad im Mittelmeer nicht ganz, aber dafür ist die Ökobilanz deutlich besser. Man kann zur Erreichung dieses Zieles auch weniger mit dem Auto fahren. Allerdings bleibt ein letzter Rest an Mobilitätsbedürfnis. Das könnte der öffentliche Nahverkehr stillen, fahren doch Busse und Bahnen hierhin und dorthin. Ein Blick in die entsprechende App hilft manchmal weiter. Aber leider ist das Angebot an Fortbewegungsmöglichkeiten in diesem Sommer deutlich reduziert. Ich meine jetzt nicht Rastatt und die eingesunkenen Gleise. Das ist ein spezielles Problem, das ich als späte Rache von Vater Rhein für die Verunstaltung seines Flussbettes deute. Nein, es geht um den Raum Stuttgart. Dort hat sich die Bahn den Tadel wegen der unzureichenden Sanierung ihrer Bahnkörper dermaßen zu Herzen genommen, dass sie jetzt hemmungslos bauen. Ganze Streckenabschnitte sind stillgelegt. Häufig fallen Züge aus. Die privaten Bahnbetreiber lassen sich nicht lumpen und ziehen mit. Ihre Loks ruhen sich in den Depots aus. Das alles lässt sich trefflich begründen: Weil eh alle verreist sind, merken nur wenige, wie dürftig die Situation des Nahverkehrs derzeit ist. Die Zurückgebliebenen verringern ihre Emissionen. Aber sie sind auch zu Hause fehl am Platz. Denn sie wagen es, Busse und Bahnen nutzen zu wollen. Wären auch sie weg, könnte die Bahn den Verkehr ganz abschalten und endlich ungestört arbeiten.

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