Zentraleres Abitur

Der Föderalismus ist eine schöne Sache, Jedes Bundesland hat eine Hauptstadt, ein Parlament, eine Regierung, ein eigenes Schulsystem und natürlich ein eigenes Abitur mit eigenen Anforderungen. Sicher, es gibt einen Rahmen, den die Kultusministerkonferenz gesetzt hat, aber den kann jedes Land ausgestalten. Zum Beispiel bei den schriftlichen und erst recht bei den mündlichen Prüfungen. Das hat zur Folge, dass die Schwierigkeit der Prüfung in den Ländern unterschiedlich ist. Ein Abitur mit 1,8 ist also im einen Land „leichter“ zu schaffen als im anderen. Der Schwierigkeitsgrad spielt aber bei der Bewerbung fürs Studium keine Rolle, nur die Note. Das ist nicht gerecht. Diese Erkenntnis ist nicht neu, sondern Jahrzehnte alt. Sie hat zu allerlei Versuchen geführt, die Anforderungen anzugleichen. Der Erfolg dieser Mühen ist bescheiden. Immerhin gibt es inzwischen einen „Aufgabenpool“, aus dem Länder Aufgaben fürs Abitur nehmen können – aber nicht müssen. Falls sie sie nehmen, aber nicht ganz zufrieden damit sind, können sie sie ihren Bedürfnissen, eigentlich ihren Traditionen, anpassen, das heißt sie leichter oder schwieriger machen. Gerechtigkeit und Vergleichbarkeit sind etwas anderes. Nun hat die Kultusministerin des Landes BW gefordert, das Abitur solle bundesweit „zentral“ werden. Dieses Ziel wolle sie in 10 Jahren erreichen. Und was geschieht? Sie wird heftig kritisiert, sogar ihr Chef, der Herr K., fährt ihr in die Parade. Das bedeute einen Verlust an Kulturhoheit des Landes. Ja, das bedeutet es, aber wenn es der Prüfungsgerechtigkeit dient, wäre dieser Verlust zu verschmerzen, oder? Das durchschlagendste Argument der Kritiker lautet: Die Schüler aus BW wären benachteiligt, weil das Schuljahr so spät anfängt und bei bundesweit einheitlichen Prüfungsterminen würden des Landeskindern ein paar Wochen fehlen. Dümmer geht es nimmer, denn die Gesamtschulzeit ist nun wirklich bundesweit einheitlich. Vielleicht wäre das BRD-Zentralabitur ein guter Anlass, den Unsinn der baden-württembergischen Sommerferien, die in Wirklichkeit Herbstferien sind, abzuschaffen. Der Föderalismus ist eine schöne Sache, aber manchmal fällt es einem schwer, ihn gut zu finden.

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