Missglückte Einheit

Den 3. Oktober will man uns heute wieder als Tag der Freude verkaufen. Aber gibt es überhaupt einen Grund zur Freude. Eine Umfrage der ZEIT zeigt die tiefe Unzufriedenheit derer im Osten der Republik in zentralen Fragen: Uns geht es schlechter als denen im Westen, man hat uns abgehängt, man versteht uns nicht, nimmt unsere Sorgen nicht ernst. Der Osten versinkt immer tiefer in nationalistisches Denken. Das ist eine Gefahr für die ganze Republik, denn wenn die „deutschen“ Dumpfbacken die Regeln diktieren, geht es bald nicht nur den Muslimen, Flüchtlingen, Homosexuellen, Juden, Behinderten, sondern allen schlecht. Über viele Jahre hat man zig Milliarden in den Osten gepumpt, offenbar ohne jede Wirkung, zumindest nicht in den Köpfen. Zwar ist die durchschnittliche Rente im Osten höher als im Westen, weil man jede, auch noch so sinnlose Arbeit als rentenfähig anerkennt, aber es hält sich hartnäckig die Fama, im Westen seien die Renten höher. Immer deutlicher wird, dass es ein großer Fehler war, die Einheit so rasch zu vollziehen. Die DDR war 1989 zwar pleite, aber die meisten haben es damals noch nicht gemerkt. Das wenigstens, diesen Erkenntnisprozess, hätte man abwarten sollen. Es klingt brutal, aber die Legendenbildung, dass es im Sozialismus doch gar nicht so schlecht, wenn nicht besser war, hätte es schwerer gehabt, wenn die Bürger dieses furchtbaren Staates intensiver erfahren hätten, wie bankrott dieser Staat war.

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