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Verschlossene Bibliotheken

Dass Veranstaltungen, bei denen Menschen sich zuhauf begegnen, derzeit nicht möglich sind, leuchtet jedem ein. Unstrittig ist auch, dass man an den Orten, wo man sich die tägliche Nahrung beschafft, Abstand wahrt. Aber Häckerling will nicht in den Kopf, dass die Stätten der geistigen Versorgung zugesperrt sind. Die Buchläden sind zu und die Bibliotheken. Offenbar ist das geistige Wohl nicht so wichtig wie das materielle. Auch Buchhandlungen und Büchereien könnte man unter Wahrung der Distanzen zwischen den Menschen offenhalten. Das fordert jetzt der Schriftstellerverband PEN. Als ich die hiesige Bibliothek mit diesem Ansinnen behelligte, wurde mir eine saftige Belehrung zuteil: Die Schließung ist von Amts wegen erfolgt und daher alternativlos. Sich für eine andere, bessere Lösung einzusetzen, kommt den Herrinnen und Herren über die Buchbestände offenbar nicht in den Sinn. Einen sinnvollen Vorschlag vorzulegen, wie man den geistig darbenden Menschen (und den aufs Abitur Lernenden) die Bücher zugänglich machen könnte, liegt offenbar außerhalb ihrer Vorstellungskraft. Armes Land Baden-Württemberg. Da hat es einen Philosophen als Ministerpräsident, aber keiner kommt auf die Idee, den Buchhandlungen und Bibliotheken grünes Licht für eine coronaadäquate Lösung zu geben. Vorgeschlagen wird von der Administration, wir sollten Bücher über den Versandhandel kaufen, unsere eigenen Bücher zu Hause noch einmal lesen oder in den Onlinekatalogen der Bibliotheken nach guter Lektüre suchen, die noch nicht ausgeliehen ist. Wie traurig!

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