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Undurchseuchte Gesellschaft

Der Ausweg aus der Pandemie leuchtet am Horizont auf: Wir alle haben unsere Körper aktiviert, dass er im Virusfall Antikörper und T-Zellen in Stellung bringt, die sich dem viralen Feind entgegenstemmen. Damit der menschliche Körper zu dieser Leistung fähig wird, bedarf es des Trainings. Trainiert wird er, wenn er erkrankt oder wenn man ihm durch Impfen auf die Sprünge hilft. Am besten durch beides. Das Kranksein allein birgt gewisse Risiken, denn man kann schwer erkranken, und das ist dann kein Vergnügen, sondern manchmal eine Sache auf Leben und Tod. Nun wollen sich manche nicht impfen lassen. Wenn sie Glück haben, bekommen sie Covid in leichter Form und werden fortan immun. Dann hat das Virus bei seinen Attacken weniger Erfolg. Wenn sie Pech haben, erkranken sie schwer und müssen ins Krankenhaus. Dort sind sie ein Stein des Anstoßes für das Personal. Aber man kann nicht immer geliebt werden, wenn man das Impfen nicht liebt. Und wir anderen, wir Geboosterten? Wir können auch erkranken, aber die Wahrscheinlichkeit, dass die Ansteckung schwerwiegende Folgen hat, sei, so heißt es, bei uns geringer. Das könne man, das kann man durch Zahlen belegen. Wir bewegen uns hier auf dem Feld der Wahrscheinlichkeitsrechnung. An diesen Schulstoff erinnern sich leider nur wenige. Das ist vielleicht ein Grund dafür, dass sie ihr Risiko nicht einschätzen können. Manchmal lernt man in der Schule sogar fürs Leben oder Überleben. Nun hoffen wir, dass aus der Pandemie demnächst eine Endemie wird und auch Covid-19 zu einem beherrschbaren Ansteckungsgeschehen. Manche Staaten scheinen auf dieses Ziel hinzuarbeiten. Sie lassen das Virus agieren und warten darauf, dass die Bevölkerung „durchseucht“ ist. Nun denn also: Augen zu, Maske auf und durch!

Eine Antwort auf „Undurchseuchte Gesellschaft“

Ich dachte schon, das Wort käme nicht mehr, aber siehe da: Fast am Ende des Häckerling’schen Beitrags liest man nun das, was schon ganz zu Beginn der Pandemie von vielen Fachleuten (und auch denen, die sich dafür hielten) zu lesen und zu hören war.
Von der Durchseuchung nämlich ist die Rede – sie könne die Lösung sein, war zu lesen. Ich stelle mir allerdings die Frage: Die Lösung wofür?
Zumal dieser Begriff ganz schnell verschwand und allerlei anderes ausprobiert wurde. Lockdown, Teil-Lockdown, 3G, 2G, 2G plus, Bürgertest, PCR-Test – die Durchseuchung war jedenfalls vom Tisch. Und Impfstoffe dafür erstaunlich schnell auf demselben.
Kein erdenkliches Themengebiet der Pandemie, das nicht mit mannigfaltigen „Lösungen“ bedacht wurde – sei es durch Virologen, Immunologen, Fachleute sonstiger Art, Politiker, Verschwörungs-Gläubigen und – nicht zu vergessen – Statistikern.
Früge man nun, wer von all diesen Menschen am Ende in irgendeinem der Punkte Recht behalten hat, so müsste die Antwort wohl fast durchgehend lauten: Niemand.
Das heißt …Moment mal …durchseuchen? Womöglich hat das tatsächlich irgendwo stattgefunden. Dann aber wohl in Regionen, die nicht im Fokus der (wissenschaftlichen) Betrachtung liegen, da wirtschaftlich uninteressant, geografisch und demografisch irgendwo am Rande von allem liegend. Oder könnte jetzt jemand ad hoc (und gleichwohl einigermaßen zuverlässig) beantworten, wie sich die Pandemie z.B. in Somalia gebärdet? Auf Haiti? In Bangladesch?
In Ländern also, die hinsichtlich Tests oder gar Impfungen auf Almosen der gutbetuchten ersten Welt angewiesen sind – und selbst dann mangels ausreichender staatlicher Strukturen nur wenig davon haben. Das hat dann auch nicht mit „darauf hinarbeiten“ zu tun, sondern ist einfach – bar jeder anderen Möglichkeit – so gegeben.
Wir in der anderen Welt, bei den Gutbetuchten, haben ganz andere Themen, die in den Gazetten die Seiten füllen: In Dänemark wird möglicherweise zuviel getestet, hier hingegen eventuell ausreichend (meines Erachtens aber zumindest stellenweise in fragwürdiger Qualität), andernorts wiederum gar nicht … Im vereinigten Königreich fällt nächste Woche gar die Maskenpflicht – man darf gespannt sein!
Dann die Impfungen: War da nicht zu Beginn der Pandemie von einer Herdenimmunität ab einer Vollimpfungsquote von ca. 70% die Rede? Was ist denn nun damit? Essig, möchte ich antworten! Essig ist es damit, weil sich die Pandemie – unverschämt, wie sie ist – permanent etwas Neues einfallen lässt.
Und hierzulande haben die Leute keinen Bock mehr auf dieses unkooperative Miststück. Und dann geht man auf der Straße „spazieren“ oder postet „Ätsch, ich bin in Ischgl!“-Fotos auf Instagram oder lamentiert, bzw. ignoriert in jedweder erdenklichen Art.
Larmoyanz ist ja etwas, was man in Deutschland ohnehin bravourös beherrscht, viel besser als im weit überwiegenden Teil der restlichen Welt.
Ausgerechnet Deutschland! Ausgerechnet!
Wie hieß er noch, dieser US-amerikanische Finanzminister in den 40ern? Henry war sein Vorname …sein Nachname hatte etwas malerisches an sich …
Egal, der hatte aber eine Idee, von der ich mir manchmal wünschte, man hätte ihr mehr Raum gegeben – auch auf die Möglichkeit hin, dass es mich dann gar nicht gäbe.
So aber stelle ich fest, dass es mir und vor allem dem Land, in dem ich leben darf, wirtschaftlich und auch medizinisch nach wie vor besser geht als dem bereits zuvor erwähnten weit überwiegenden Teil der restlichen Welt. Und das, obwohl all unsere Politiker, Fachleute, Skeptiker und Verschwörungskünstler auf den unterschiedlichsten Gebieten irrten, Fehler gemacht haben oder auch mal schlicht bewußt Mist gebaut haben.
Ich selber kennen niemanden aus meiner Verwandtschaft oder auch nur näheren Bekanntschaft, der sich den Virus eingefangen hätte (jedenfalls nicht dergestalt, dass es diagnostiziert worden wäre und/oder offensichtlich zu erkennen gewesen wäre), habe also auch keinen Intensiv-Station- oder gar Sterbefall im näheren Umfeld zu beklagen. Aber ich bin auch nicht unbedarft (oder anmaßend) genug, aus dieser Tatsache auf eine riesige Verschwörung der mächtigen Staaten dieser Welt zu schließen.
Aber ich bin großer Zuversicht, dass auch diese unliebsame Zeit vorübergehen wird. Dazu habe ich jedenfalls mehr Anlaß, als dies nicht ganz 80 Jahren, einem Menschenleben also, in diesem Land der Fall gewesen wäre.
In diesem Sinne: Augen zu, Maske auf und durch!

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