Es gibt einige Probleme, deren Lösung schon immer als unmöglich gegolten hat, z. B. die Quadratur des Kreises. Auch das Waschen eines Pelzes, ohne ihn nasszumachen, wird für unmöglich gehalten. Nun ist ein weiteres solches Problem hinzugekommen: die Reform des Gesundheitswesens. Alle wissen, dass es unbezahlbar geworden ist. Alle wissen, dass mehr Einnahmen hermüssen und die Ausgaben gedeckelt. Das geht nur, wenn man die Leistungen kürzt, die Beiträge und die staatlichen Zuschüsse erhöht, die Kosten für Krankenhäuser, Medikamente und Ärzte senkt. Das würde bedeuten: So komfortabel wie bisher kann das System nicht bleiben. Nun hat eine Kommission Vorschläge gemacht. Sie schlägt Einschnitte für alle vor. Ob sie gerecht und fair verteilt sind, müsste man nun prüfen. Aber was wird in den nächsten Monaten geschehen? Die einen werden sagen, dass Maßnahme A auf keinen Fall getroffen werden kann, weil sie unsozial oder ungerecht ist und die falschen treffe. Auch die andere Maßnahme B dürfe auf keinen Fall umgesetzt werden, denn sie bedeute einen so gravierenden Bruch mit dem Gewohnten, dass daraus soziale Konflikte entstehen werden. Das wird auch für die Sparvorschläge C, D und F gelten. Mit ihnen sei das nicht zu machen, sagen die Parteien X, Y und Z. Am Ende wird keine Maßnahme umgesetzt werden, denn wer will schon die Koalition dafür aufs Spiel setzen? Schließlich dürfe man die Wähler nicht den radikalen Parteien in die Arme treiben bzw. die Akzeptanz der Demokratie aufs Spiel setzen. Dann lieber keine Reform. Der Pelz bleibt ungewaschen.
Kategorie: Gesundheit
Digitaler Patient
Natürlich wird es immer welche geben, die dagegen sind, weil sie die IT für Teufelswerk halten, weil sie den Arzt lieber persönlich über ihre medizinische Vergangenheit informieren wollen, weil sie hinter allem Bill Gates oder Elon Musk als Bösewichter agieren sehen, die ihre Krankheiten zur Profitmaximierung benutzen wollen. Aber der Gedanke, dass in der EPA das drinsteht, was für eine sachgemäße Diagnose nötig ist, hat etwas Bestechendes. Der Patient ist ein vergessliches Wesen, das sich bei der Anamnese nicht mehr genau an seine Krankheitsgeschichten erinnert. Der Patient ist oft ein Mensch, der nicht will, dass andere von seiner Diabetes, seiner Herzinsuffizienz, seiner Depression wissen. Daher verschweigt er derlei gerne. Das hat manchmal negative Folgen für die aktuelle Behandlung von Erkrankungen. Kurzum: Häckerling ist für die EPA und auch das E-Rezept. Er hätte beides gerne, aber er wird es nicht bekommen, weil er „Selbstzahler“ ist. Man sagt auch Privatpatient dazu. Diese Typen haben, wenn man dem Volksmund glauben darf, nur Privilegien. Dass sie dafür mehr bezahlen als gesetzlich Versicherte, wird gerne unterschlagen. Als privilegierter Privatpatient muss ich mit Tausenden von Euro in Vorleistung treten, alle Unterlagen in Papierform und digital speichern, Anträge an die Krankenkasse und das Landesamt für Besoldung und Versorgung stellen und Monate warten, bis die Erstattung kommt. Ich muss eine umfangreiche Buchführung betreiben, um den Überblick über die Kosten nicht zu verlieren – und zur Strafe bekomme ich weder ein E-Rezept noch eine EPA.
Streitende Ampel
Es gibt derzeit nur wenige politische Themen, über die Einigkeit besteht. Daher überrascht es nicht, dass über die Lösung der anstehenden Probleme heftig gestritten wird. Drei Themen beherrschen die heutige Presse: die Einschränkung der Werbung für Süßigkeiten, die E-Fuel-Option für PKW mit Verbrennungsmotoren ab 2035 und das Verbot des Einbaus von Öl- und Gasheizungen ab 2024. Der Hintergrund dieser Initiativen ist klar und unstrittig: Süßigkeiten im Übermaß genossen machen Kinder krank und der Klimawandel verlangt drastische Änderungen unserer Lebensführung, sowohl bei der Mobilität als auch beim Heizen. Ob ein Werbungsverbot in Schulnähe Kinder vom Süßigkeiten-Verzehr abhält? Es gibt schon ein Verbot dieser Art. Es dürfen in der Nähe von Schulen keine Zigaretten-Automaten stehen. Im Jugendschutz-Gesetz steht ein Rauchverbot für Jugendliche. Hilft das? Vielleicht. Aber das Ziel müsste eigentlich sein, dass die Einsicht in den Kinderköpfen wächst, dass nicht nur das Rauchen, sondern auch das übermäßige Naschen der Gesundheit schadet. Wie schafft man diese Einsicht? Über die Vermittlung von Fakten im Unterricht und im Elternhaus. Ein Werbeverbot kann nur dann helfen, wenn es strikt überwacht wird. Da bin ich skeptisch. Wir haben so viele Gesetze, die nicht eingehalten werden. Ob E-Fuels 2035 für Autos eine Option sind? Vielleicht, vielleicht auch nicht. 12 Jahre sind lang. Da kann viel passieren im technischen Fortschritt. Wie man ohne Öl und Gas heizen soll? Nicht mal der Fachhandel hat Lösungen, wenn man nachfragt. Auch unserem Haushalt droht das Ende der Gasheizung. Es gebe keine Ersatzteile mehr, heißt es. Wenn also die Heizung ausfällt, droht die Kälte. Oder der Kauf von fünf Elektroheizungen für die verschiedenen Zimmer. Das wird teuer. Und hilft es gegen den Klimawandel?