Seit Jahren, seit Jahrzehnten gar wird vor den Folgen des Klimawandels gewarnt. Er scheint, allen Zweifeln zum Trotz, sogar einzutreten. Leider sind wir darauf nicht vorbereitet. Man dachte wohl, so schlimm werde es schon nicht kommen. Hitze? Dann soll man halt in den Schatten sitzen oder ins Freibad gehen. Dass es den im Krankenhaus Liegenden oder denen im Alters- und Pflegeheim nicht so leichtfällt, ins Kühle zu gehen, wenn ihre Zimmer sich aufheizen, dass sie mehr trinken sollen, es aber nicht tun, obwohl man es ihnen sagt, das sind Probleme, die man ausblenden kann. Alte und Kranke müssen eh sterben, tritt das ein paar Monate früher ein, ist das eben Pech. Nun kann man die Moribunden vergessen, aber was ist mit der Binnenschifffahrt? Sie hat zu wenig Wasser unterm Kiel, weil es – Überraschung! – zu wenig geregnet hat. Nun will man schnell die Fahrrinnen ausbaggern. Die Bahn freut sich über mehr Güterverkehr. Die Industrie jammert über höhere Kosten, aber die jammert ja immer. In den Schulen hat sich das Problem erledigt, denn es sind Ferien. Klimaanlagen statt Hitzefrei? Letzteres kostet weniger. Überhaupt: Diese ganze Umrüstung auf andere klimatische Bedingungen ist unbezahlbar. Dummerweise haben wir unsere Armee heruntergewirtschaftet, und nun kostet es ein Heidengeld, die defekten Waffensysteme zu erneuern. Häckerling vermutet, dass die Verantwortlichen, die in den Kommunen, den Ländern und im Bund, froh sind, dass sie Urlaub machen dürfen. Der nächste Winter kommt bestimmt. Dann haben wir das Thema Hitze schnell wieder vergessen.
Kategorie: Gesundheit
Gesündere Finanzen
Im Gesundheitssystem herrscht Reformbedarf. Die Kosten ufern aus, die Krankenkassen erhöhen die Beiträge, Leistungskürzungen stehen bevor. Auch als Nicht-Mediziner hat man den Eindruck, dass es so nicht weitergehen kann. Die renommierte, in Augsburg lehrende Umweltmedizinerin Traidl-Hoffmann zeigt in ihrem neuen Buch („Die Medizin der Zukunft“) einen Weg aus der Misere. Sie beschreibt den wachsenden Anteil von Umwelteinflüssen an Krankheiten wie Neurodermitis, Asthma, Herz-Kreislauf und Darmbeschwerden. Auch der Klimawandel verschlimmert die Lage. Die bloße „Behandlung“, etwa durch Verschreibung von Medikamenten, helfe nicht auf Dauer, sagt Traidl-Hoffmann, man müsse den kranken Menschen als Ganzes sehen und seine Lebenssituation kennen, um ihm wirksam helfen zu können. Es seien oft äußere Einflüsse, die unsere Atemwege und das Immunsystem stören. Dazu gehören: die Zunahme der Hitze, die stärkere Belastung der Luft und der wachsende Lärm. Auf diese „Krankmacher“ gelte es zu reagieren. Daher müssten sich die Städte verändern: mehr Grün, weniger Verkehr, andere Bebauung. Nur wenn die Umwelt gesünder wird, können auch die Menschen gesünder werden. Investitionen in lebenswertere Wohnbereiche führen nachweisbar zu einer Senkung der Kosten für das Gesundheitswesen. Andere Länder haben das bereits bewiesen. Deutschland habe da Nachholbedarf, betont die Autorin. Was wir immer schon ahnten, Traidl-Hoffmann weist es mit Zahlen nach: Prävention, Vorsorge, Änderungen im Lebensstil sind der Schlüssel zur persönlichen Gesundheit und zur Gesundung des Gesundheitswesen. Das Buch ist gut zu lesen, auch dank Katja Trippels bewährter Arbeit als Ghostwriterin. Es erklärt verständlich häufige Krankheiten und ihre Ursachen. Dabei ist es nicht pessimistisch, sondern nährt die Hoffnung, dass wir die Probleme in den Griff bekommen.
Nasser Pelz
Es gibt einige Probleme, deren Lösung schon immer als unmöglich gegolten hat, z. B. die Quadratur des Kreises. Auch das Waschen eines Pelzes, ohne ihn nasszumachen, wird für unmöglich gehalten. Nun ist ein weiteres solches Problem hinzugekommen: die Reform des Gesundheitswesens. Alle wissen, dass es unbezahlbar geworden ist. Alle wissen, dass mehr Einnahmen hermüssen und die Ausgaben gedeckelt. Das geht nur, wenn man die Leistungen kürzt, die Beiträge und die staatlichen Zuschüsse erhöht, die Kosten für Krankenhäuser, Medikamente und Ärzte senkt. Das würde bedeuten: So komfortabel wie bisher kann das System nicht bleiben. Nun hat eine Kommission Vorschläge gemacht. Sie schlägt Einschnitte für alle vor. Ob sie gerecht und fair verteilt sind, müsste man nun prüfen. Aber was wird in den nächsten Monaten geschehen? Die einen werden sagen, dass Maßnahme A auf keinen Fall getroffen werden kann, weil sie unsozial oder ungerecht ist und die falschen treffe. Auch die andere Maßnahme B dürfe auf keinen Fall umgesetzt werden, denn sie bedeute einen so gravierenden Bruch mit dem Gewohnten, dass daraus soziale Konflikte entstehen werden. Das wird auch für die Sparvorschläge C, D und F gelten. Mit ihnen sei das nicht zu machen, sagen die Parteien X, Y und Z. Am Ende wird keine Maßnahme umgesetzt werden, denn wer will schon die Koalition dafür aufs Spiel setzen? Schließlich dürfe man die Wähler nicht den radikalen Parteien in die Arme treiben bzw. die Akzeptanz der Demokratie aufs Spiel setzen. Dann lieber keine Reform. Der Pelz bleibt ungewaschen.