Nun, nachdem er im Iran-Krieg einen Waffenstillstand erzwungen hat, wird sich der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika noch mehr als Friedensfürst sehen, der den gleichnamigen Nobelpreis verdient hat, und leider auch als einen von Gott der Welt gesandten Retter, um das Wort „Messias“ zu vermeiden. Seine Sprache habe sich in den letzten Tagen immer mehr der alttestamentlichen Prophetie angenähert, urteilt die Zeitung heute. Überhaupt kommen ihm religiöse Begriffe immer leichter über die Lippen. Da stellt sich die Frage: Ist das alles nur propagandistisches Getöse oder glaubt der Amerikaner wirklich, was er da über sich und seine gottähnliche Rolle sagt? Häckerling hofft für uns alle, dass Ersteres zutrifft, denn religiöse Eiferer sind das Letzte, was die Welt braucht. Wenn das ganze Kriegsgetue nur seine Popularität und die Chancen bei den nächsten Wahlen erhöhen soll, kann man das irgendwie einordnen – ohne es zu billigen. Wenn sich hier aber einer allen Ernstes als einen von Gott Erwählten sieht, dann steht es schlecht um die Menschheit. Was ein von der „Vorsehung“ auserkorener „Führer“ anrichten kann, wissen wir Deutschen aus der eigenen Geschichte. Deuten wir also das blasphemische Gerede des US-Präsidenten als raffinierten Schachzug im Kampf um die Stimmen der amerikanischen Frommen. Dann besteht die Hoffnung, dass er nach einem Sieg bei den Herbstwahlen wieder „normaler“ wird. Wenn nicht er sich selbst, so werden ihm dann hoffentlich seine Beraterinnen und Berater einen Rest an Rationalität verordnen.
Kategorie: Geschichte
Teurer Bombenhagel
Man muss es sich leisten können, das Abwerfen Hunderter (oder sind es Tausender?) Bomben auf den Iran und den Libanon. Es erweckt den Eindruck, als wollten der amerikanische Präsident und sein israelischer Kampfgenosse zeigen, was sie alles haben und militärisch können. Niemand weiß so recht, was sie mit ihren Aktionen erreichen wollen. Nicht einmal unser Bundeskanzler, der eigentlich über Geheiminformationen verfügen müsste, kann sich aus dem Geschehen einen Reim machen. Was die Kriegshelden erreichen, ist indes klar: Sie haben das iranische Volk wieder mit dem Regime der Mullahs zusammengeschweißt, die Straße von Hormus verschlossen, die weltweite Inflation angeheizt und sogar die amerikanischen Wähler verunsichert. Ihr größter Präsident aller Zeiten ist zumindest nicht der größte Feldherr aller Zeiten. Aber ihm wird schon das Gefühl reichen, allen zu zeigen, dass sie nach seine Pfeife tanzen müssen, dass er über das Auf und Ab der Börsen gebietet, dass er Wirtschaftskrisen herbeiregieren kann und also in jeder Hinsicht mehr beachtet wird als sein Freund im Kreml. Der wird eifersüchtig auf die Erfolge seines Kumpels in Washington blicken. Sind wir von Irren umgeben?
Spontane Kriege
Wer einen Krieg anfängt, ist überzeugt, dass er ihn gewinnt. Das glaubte Putin, als er die Ukraine angriff, das glaubt Trump im Hinblick auf den Iran. Dabei hatten ihn seine militärischen Ratgeber im Vorfeld gewarnt. Aber er hat auf die Fachleute nicht gehört. Nun stecken alle im Schlamassel, die Iraner natürlich, mit denen allerdings kaum jemand Mitleid hat, die Amerikaner, weil sie merken, dass die Sache nicht so einfach ist wie gedacht und überdies teuer, viele asiatische Staaten, denen plötzlich das Öl ausgegangen ist, die Europäer, die zwar nicht mit von der Kriegspartie sind, aber das Unternehmen über höhere Energiepreise mitfinanzieren, und die Israelis, die sich plötzlich in einem Zwei-Fronten-Krieg befinden. Wer einen Krieg anfängt, will am Ende nicht als Verlierer dastehen. Das zieht die Sache in die Länge, denn aufhören kann man nur dann, wenn man das Gesicht nicht verliert. Der Zweite Weltkrieg hat sechs Jahre gedauert, weil Deutschland zu spät kapituliert hat. Der Koreakrieg (1950 – 1953) hat nur deshalb „aufgehört“, weil er immer noch nicht zu Ende ist. Beide Koreas befinden sich immer noch im Kriegszustand. Der Krieg gegen die Ukraine geht weiter, weil Russland immer noch glaubt, ihn gewinnen zu können. Der Iran-Krieg wird aufhören, wenn beide Seiten ihr Pulver verschossen haben. Das kann dauern. Die Kollateralschäden werden wir alle bezahlen. Für den deutschen Kanzler hat es den Vorteil, dass er besser erklären kann, warum seine Wirtschaftspolitik keine Erfolge vorweist. Denn gegen „höhere Gewalt“ sind wir machtlos. Wie praktisch.