Unvergleichliche Kunstwerke

Sindelfingen ist nicht nur die Stadt mit den rekordverdächtigen Finanzproblemen, sie beherbergt auch wunderbare Kunstwerke. Dazu gehört vor allem die Sammlung Lütze mit ihren weit über 1000 Bildwerken. Aber auch die private Sammlung Reinheimer ist bemerkenswert. Was haben die Finanzmisere und die Sammlungen miteinander zu tun? Leider viel. Die eine könnte die anderen aus der Stadt vertreiben. Denn immer dann, wenn das Geld in der Stadtkasse knapp wird, denkt man an die Abschaffung der städtischen Galerie.

Das fände ich fatal. Was soll aus dem Alten Rathaus, was aus dem Kleihues-Turm werden? Gemeinsame Ausstellungen mit „Kunst + Projekte“ gäbe es nicht mehr. Und was würde aus den Sammlungen? Soll man alles verscherbeln, um die Löcher in der Kasse zu stopfen? Das wäre nicht nur ein Schwabenstreich, sondern auch ein Zeichen von Kulturarmut.

In der Krise soll man sich bekanntlich auf seine Stärken besinnen; und dazu gehören in Sindelfingen nun einmal die Sammlungen. Mit „weg damit“ wäre mehr weg als eine Reihe von Kunstwerken. Was in Jahrzehnten aufgebaut worden ist, verschwände spurlos und für immer.

Würde Sindelfingen damit reicher oder gar lebenswerter? Ganz und gar nicht, meine ich.
Die Alternative? Nachdenken über ein finanzierbares Modell zur Erhaltung der Galerie und ihres Bestandes.

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3 Kommentare zu Unvergleichliche Kunstwerke

  1. ibk sagt:

    Warum gerät bei jeder Finanzkrise in Sindelfingen immer wieder insbesondere die Galerie der Stadt in den Fokus der Aufmerksamkeit? Ist es, weil man (die politischen Gremien!) sie als glitzendes Goldkettchen am Hals eines ‚armen’ Gemeinwesens für überflüssig hält, als Statussymbol, damals? Oder als Rückfrage formuliert: Hat man, als man die Galerie einst in reichen Zeiten zusammen mit dem Ankauf einer Sammlung einrichtete, nur an ein besonderes Schmuckstück für die Stadt gedacht?
    Ich hoffe nicht, dass dem so ist, denn das wäre wahrlich kulturlos! Das würde die Stadt als ‚neureich’ hinstellen (was viel mit der augenblicklichen Krise zu tun hat). Nein, diese Stadt braucht Kultur, ganz besonders aufgrund ihrer einseitig technoiden Prägung. Kultur ist das, was über alle rationalen Nützlichkeitserwägungen hinaus die imaginativen Kräfte des Menschen beflügelt? Oder, warum hat der Mensch die Kultur erfunden? Lange bevor er das Christentum schuf, hat er so wundersame Dinge wie die kleine Venus aus der Karsthöhle „Hohle Fels“ bei Schelklingen (gar nicht so weit entfernt!) geschnitzt, die heute auf Samt gebettet, kostbar bewahrt wird. Nein, sie ist nicht nur ein Fetisch, sondern ein Stück der so überlebensnotwendigen Imaginationskraft.
    Ich bin hier allerdings nicht angetreten, um in Sindelfingen zu sagen, was Kultur ist und wie wichtig sie für das Menschsein ist. Ich wünschte mir allerdings ein bisschen mehr Kulturverständnis in den Diskussionen des Sindelfinger Kulturausschusses, denn sonst würden solche abwegigen Vorschläge wie „Mars-Galerie“ sicher nicht fallen (da haben die Künstler des Konstruktivismus in Russland großartige Ideen geliefert, leider geht das heute nicht mehr so euphorisch und ist als kunsthistorisches Ausstellungskonzept sehr, sehr teuer; ODER die Weltraumwissenschaft, die doch auch in Stuttgart mit einem Weltraumfahrer bestens verankert ist!). Doch die Sindelfinger Jugendlichen gleich nach Stuttgart zu schicken, ist ein Armutszeugnis, nicht ein finanzielles, sondern ein geistiges. Bleiben wir also auf dem Boden der Tatsachen, und halten uns an das, was da ist, Galerie und Sammlungen und stützen das private Engagement.
    Wichtig ist, dass besonders die jungen Menschen an die Kultur herangeführt werden, in Kindergärten, Schulen, Vereinen. Was hier, Bild für Bild / Konzept für Konzept erarbeitet wird, kann in der Galerie am Original beflügelt werden. Gefragt ist eine Lehrer/Bürgerschaft, die der Galerie zuarbeitet (und diese damit auch immer wieder befragt/herausfordert!). Das belebt die Galerie als kulturelles Zentrum des Gemeinwesens. Es ist erstaunlich, wie das in Städten, die sich Kulturstadt nennen, tatsächlich möglich ist. In Sindelfingen ist das eine besonders harte Arbeit, aber es geht!

    • haecker sagt:

      Danke für die grundsätzlichen Überlegungen. Es ist in der Tat angebracht, darüber nachzudenken, als was sich Sindelfingen versteht. Als die Stadt mit den Zebrastreifen aus Marmor? Als Autostadt? Als Stadt mit dem spektakulären Gewerbesteuereinbruch? Als Sportstadt? Schön, wenn es sich als Kulturstadt sähe! Aber da habe ich wenig Hoffnung.

  2. Tobi sagt:

    Vielleicht als Stadt mit dem unbedarftesten Oberbürgermeister? Obgleich da in Karlsruhe harte Konkurrenz am Start ist.

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