Kategorien
Politik Reformen Wirtschaft

Gestrandeter Wal

Keine Frage – das Tier ist arm dran. Es ist krank und desorientiert und wird wohl bald das Zeitliche segnen. Es ist auch ein gutes Zeichen, dass die Öffentlichkeit so viel Anteil an seinem Schicksal nimmt, ein vorösterliches Schicksal, das von Leiden und Sterben kündet. Aber das gestrandete Tier ist auch zum Symbol für unser Land geworden. Alle Bemühungen, Deutschland wieder flott zu machen, waren bisher vergeblich. Es gelingt uns nicht mehr, ins offene Meer zu gelangen. Die Wirtschaft siecht, die Reformen kommen nicht in Gang. Das liegt natürlich auch an äußeren Umständen, die unserem Zugriff entzogen sind. Es gibt einen Krieg in Europa, gegen den wir machtlos sind, es gibt einen anderen Krieg im Nahen Osten, den wir nicht beeinflussen können, der uns aber schwer zu schaffen macht. Dazu kommt ein Amerika, das außer Rand und Band ist. Und im ferneren Osten wächst ein Land zur Großmacht heran, dessen Pläne wir nicht durchschauen und dessen wirtschaftlicher Expansion wir nichts entgegenzusetzen haben. Unsere Regierung sieht die Gefahren und weiß auch um die hausgemachten Probleme. Sie strengt sich an, aber ob sie das gestrandete Deutschland aus seinem Siechtum befreien kann, ist nicht gewiss. Ob der Wal in der Ostsee noch den Willen zum Leben hat, entzieht sich unserer Kenntnis, ob Deutschland die Kraft aufbringen wird, sich von seinen lähmende Fesseln zu befreien, wird die Zukunft lehren. Zu einem Vogel sagt man: Friss oder stirb. Unserem Land müsste man sagen: Pack endlich deine Probleme an, sonst bleibt es nicht beim Stranden, sondern es droht der Untergang!

Kategorien
Finanzen Gesundheit Politik

Nasser Pelz

Es gibt einige Probleme, deren Lösung schon immer als unmöglich gegolten hat, z. B. die Quadratur des Kreises. Auch das Waschen eines Pelzes, ohne ihn nasszumachen, wird für unmöglich gehalten. Nun ist ein weiteres solches Problem hinzugekommen: die Reform des Gesundheitswesens. Alle wissen, dass es unbezahlbar geworden ist. Alle wissen, dass mehr Einnahmen hermüssen und die Ausgaben gedeckelt. Das geht nur, wenn man die Leistungen kürzt, die Beiträge und die staatlichen Zuschüsse erhöht, die Kosten für Krankenhäuser, Medikamente und Ärzte senkt. Das würde bedeuten: So komfortabel wie bisher kann das System nicht bleiben. Nun hat eine Kommission Vorschläge gemacht. Sie schlägt Einschnitte für alle vor. Ob sie gerecht und fair verteilt sind, müsste man nun prüfen. Aber was wird in den nächsten Monaten geschehen? Die einen werden sagen, dass Maßnahme A auf keinen Fall getroffen werden kann, weil sie unsozial oder ungerecht ist und die falschen treffe. Auch die andere Maßnahme B dürfe auf keinen Fall umgesetzt werden, denn sie bedeute einen so gravierenden Bruch mit dem Gewohnten, dass daraus soziale Konflikte entstehen werden. Das wird auch für die Sparvorschläge C, D und F gelten. Mit ihnen sei das nicht zu machen, sagen die Parteien X, Y und Z. Am Ende wird keine Maßnahme umgesetzt werden, denn wer will schon die Koalition dafür aufs Spiel setzen? Schließlich dürfe man die Wähler nicht den radikalen Parteien in die Arme treiben bzw. die Akzeptanz der Demokratie aufs Spiel setzen. Dann lieber keine Reform. Der Pelz bleibt ungewaschen.

Kategorien
Politik

Überflüssig – protestantischer Flickenteppich

Endlich durfte sich der deutsche Protestantismus mal wieder des so schmerzlich vermissten Medienzuspruchs erfreuen. Die Ulmer Tagung der EKD-Synode, vor allem diverse Wahlen für die Leitungsgremien, machte es möglich. Was nun alle Fernsehzuschauer und Zeitungsleser wissen können: Die Evangelischen haben eine neue Person an der Spitze, Bischöfin Käßmann. Was wird die Nachfolgerin von Bischof Huber bewirken, was kann sie ändern, was hat sie eigentlich vor? Wir werden es erleben. Zu tun gibt es wahrlich genug. Der Protestantismus drückt sich darum, seinem Namen gerecht zu werden. Auch steht eine Reform der Kirchenstruktur an.

Die Zahl der evangelischen Landeskirchen und Kirchengemeinden ist zu groß und zu aufwändig. Sie so zu reduzieren, dass sie in etwa der Zahl der Bundesländer und der Kommunen entspräche, wäre an der Zeit und brächte eine deutliche Kostenersparnis bei der Verwaltung der Kirche – Geld, das an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt werden könnte.

Nehmen wir das Beispiel Sindelfingen und Böblingen: Während man auf der politischen Ebene einen Zusammenschluss der beiden Städte diskutiert, leisten sich die Evangelischen noch jede Menge Kirchengemeinden: in Sindelfingen und Böblingen, in Maichingen, in Darmsheim und Dagersheim. Dabei sind Sindelfingen, Maichingen und Darmsheim seit Jahrzehnten in einer Kommune vereinigt.

Nun wird gerne behauptet, das seien uralte Traditionen und die Kirche müsse im Dorf bleiben. Das soll sie ja, aber die Kirchenverwaltung müsste es nicht. Wozu müssen an allen diesen Orten Etats aufgestellt werden und Kirchengemeinderäte darüber beraten und beschließen? Wozu führt man an allen Orten Register und Ablagen, stellt Krankenschwestern ein und überprüft den ordentlichen Zustand der Immobilien? Das und anderes mehr ließe ich zentralisieren.

Aber im Großen sieht es nicht anders aus. Es gibt seit über einem halben Jahrhundert das Land Baden-Württemberg, aber noch immer zwei Landeskirchen, eine in Baden und eine in Württemberg, mit zwei Bischöfen, zwei Synoden, zwei oberkirchenrätlichen Verwaltungen. Was für ein Luxus!
(Blog-Eintrag Nr. 101)