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Die Sozialdemokraten und das Kanzlergehalt

Das Gehalt des Kanzlers (oder der Kanzlerin) der Bundesrepublik Deutschland sei zu niedrig, hat uns der Kanzlerkandidat Steinbrück wissen lassen. Nicht überliefert ist der nächste Satz: „Das muss erhöht werden, sonst mache ich den Job nicht.“ Die SPD springt dem Manne bei – er sage schlicht etwas Selbstverständliches – was soll sie sonst tun? Endlich haben wir ein griffiges Thema für den Bundestagswahlkampf.

Die Kanzlerin Merkel kommt, nach allem, was im Internet zu lesen ist, auf etwa 220.000 Euro im Jahr. Das ist in der Tat wenig, wenn man es mit den Einkommen von Sportlern, Filmstars oder Managern vergleicht. Aber es ist viel in Relation zu jenen, die Hartz IV bekommen, als Arbeiter oder Angestellter bei Daimler Benz arbeiten oder „beim Staat“ sind. Deren leitende Beamte, die allesamt studiert haben müssen und dann noch lange zu warten hatten, bis sie an die Spitze rücken durften, verdienen nur einen Bruchteil dieses Betrags.

Der Jahresbetrag entspricht einem monatlichen Salär von fast 18.500 Euro. Davon lässt sich leben. Man kann mehrmals im Monat ins Kino oder Theater gehen (Kanzler bekommen da vielleicht auch freien Eintritt), man kann verreisen, wenn man die Ansprüche nicht zu hoch ansetzt (aber es gibt auch Freunde auf Sylt) und man findet auch in den teureren Lokalen noch ansprechende Gerichte. Einiges lässt sich auch noch auf die hohe Kante legen (sparen), für schlechtere Zeiten oder wenn man ins Alter kommt.

Also gar so schlimm ist das mit dem Gehalt nicht. Oder geht es um etwas anderes? Wollen die Genossen das Gehalt und die Pension der Bundespräsidenten zugunsten der aktiven und ehemaligen Kanzler kürzen?

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Die Christdemokraten und das Göttliche

Endlich haben CDU und CSU ein Thema, mit dem sie ihre konservative Grundhaltung überzeugend deutlich machen können. Zugleich bietet es die Möglichkeit, ihrer ungeliebten Familienministerin Schröder einen Backenstreich versetzen. Vor allem ihre Geschlechtsgenossinnen aus dem Süden tun sich dabei besonders hervor. Es geht um Grammatik, genauer: um die Verwendung eines bestimmten Artikels, um den Artikel „das“. Den habe, sagen manche Parteichristen, die Ministerin falsch verwendet und damit den ganzen Glauben in Frage gestellt. Der Kontext ist der: Die ZEIT fragte (in der Ausgabe vom 19.12.12): „Wie erklärt man einem kleinen Mädchen, das (gemeint ist wohl „dass) alle zu DEM lieben Gott beten, nicht zu DER Gott?“ Frau Schröder antwortet so: „Ganz einfach: Für eins musste man sich entscheiden. Aber der Artikel hat nichts zu bedeuten. Man könnte auch sagen: das liebe Gott.“ Nach diesem Satz brach ein christlicher shitstorm aus. „Das“ gehe gar nicht, sagen ihre Parteifreundinnen. Nur Frau Merkel nimmt es nicht so tragisch.

Da haben wir ihn wieder, jenen Streit um den „männlichen“ Gott, den schon Max Frisch in „Homo Faber“ führen ließ. Dabei ist das eine unsinnige Debatte. Offenbar kennen sie selbst im Pisa-starken Bayern den Unterschied zwischen dem grammatischen Geschlecht (genus) und dem biologischen (sexus) nicht. Beides steht sehr oft nicht im Einklang. Die Grammatik ist da recht willkürlich. Will jemand im Ernst behaupten, „das“ Mädchen sei nicht nur grammatisch, sondern auch biologisch ein Neutrum? Jedes Kind hat, obwohl grammatisch „sächlich“, ein biologisches Geschlecht.

Und wie ist es mit „Gott“? Das Wort, mit dem man ihn benennt, ist grammatisch traditionell „maskulin“. Aber das kann sich schnell ändern, wenn wir „das Göttliche“ sagen oder „das Wort, das Fleisch wird,“ oder „das“ göttliche Wesen, „das“ Transzendente, „das“ Überirdische, Jenseitige, Wunderbare – alle diese Wörter sind grammatisch sächlich. Gott steht über der Grammatik, da hat der Papst schon recht.

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Die Zeitung und das Ende

Nicht dass die Macher der Stuttgarter Nachrichten an das Weltende am 21.12. glauben würden, sie halten es für eine Zeitungsente, eine Fehlmeldung, ein Missverständnis. Aber es erstaunt doch, dass sie dem Datum eine Doppelseite ihrer heutigen Ausgabe (19.12.12) widmen. Da werden klug alle möglichen Endzeitszenarien auf ihre Wahrscheinlichkeit abgeklopft, immer (sei es bei der Grippe, den Asteroiden oder beim Klima) mit dem Ergebnis, dass das Eintreten eines solchen apokalyptischen Ereignisses sehr unwahrscheinlich sei. Trotzdem finde ich eine solche Ernsthaftigkeit in einer seriösen Tageszeitung lächerlich.

Oder können die Medien – und die Tageszeitungen ganz besonders – nur überleben, wenn sie auf jedes Event eingehen und sei es das abseitigste? Braucht nur jemand einen Unsinn in die Welt zu setzen und alle suchen dann sofort den tiefen Sinn darin? So leicht lässt sich die Medienwelt manipulieren? Offenbar springen die alle gerne auf einen fahrenden Zug auf und sei es auch nur einer, der unterwegs ist ins Depot. So also lenkt man die Menschen von den wahren Problemen ab: Man unterhalte sie mit Nichtigkeiten, dann kümmern sie sich nicht mehr um Wichtigkeiten. Was Marx einst der Religion unterstellt hat, sie sei Opium des Volks, das passt heutzutage gut aufs Medienangebot. Oder soll ich gar die verschärfte Variante dieses Satzes wählen? Der Stoff der Medienangebote als Opium fürs Volk, ihm zur Sedierung verabreicht von solchen, die gut an diesem Stoff verdienen?