Der Papst und sein Dienstende

Eigentlich kommt es einem Mitglied der evangelischen Kirche nicht zu, sich über den Rücktritt des Oberhaupts der Katholiken zu verbreiten, weil es sich dabei um innere Angelegenheiten der „allumfassenden“ (so kann man „katholisch“ übersetzen) Kirche handelt. Aber ein wenig wundern darf man sich schon, finde ich.

Da gilt bei der Ausübung weltlicher Berufe bekanntlich ein „gesetzlicher“ Ruhestand von 65 Jahren. Danach wird einem Lehrer nicht mehr das Unterrichten zugetraut, einem Steuerbeamten nicht mehr die Anwendung der Gesetze und einem Mechaniker der Einblick in die Getriebswissenschaft. Man versetzt diese Alten zwangsweise in den Ruhestand, wo sie dann, wie unlängst wieder zu lesen war, rasch dicker und dümmer werden.

Die Katholischen aber pflegen den Brauch, einen Ruhestandsgeistlichen zum Oberhaupt eines Milliardenvolks zu machen, seinen gesundheitlichen Verfall billigend in Kauf zu nehmen und ihn sogar in diesem Zustand medial zu vermarkten, wie man das beim Vorgänger des derzeitigen Stellvertreter Christi auf Erden weidlich getan hat.

Der jetzige aber will das Spiel nicht mehr mitspielen und den Tanz auf seiner Nase nicht dem allgemeinen Gespött ausliefern. Er hat „hingeschmissen“, wie man dazu gerne sagt (allerdings nicht bei Päpsten). Das ist ehrenwert und verdient (um das neue Lieblingswort zu verwenden) Respekt, also Achtung. Dem Unsinn, einen Greis zum Staatsoberhaupt zu ernennen, ist damit zwar noch nicht auf Dauer gewehrt, aber vielleicht nähert sich das altersdominierte Wahlmännergremium in Rom einer vernünftigeren Regelung allmählich an.

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