Reformation

Nun arbeiten sie sich in allen Medien an Martin Luther ab. Die einen stilisieren ihn zum protestantischen Heiligen, andere werden nicht müde, seinen Antisemitismus zu geißeln. Dabei gerät etwas aus dem Blick, was er wollte: eine bessere Kirche, keine, die sich selbst als das Wichtigste ansieht, deren Hierarchie alles Spontane erstickt, die mehr am Geld der Gläubigen als an deren Seelenheil interessiert ist. Da jede Organisation Gefahr läuft, zu verkrusten und sich selbst für überaus wichtig zu halten, ist das Wort von der Kirche, die ständig zu reformieren sei, auch heute noch relevant. Der Oberkirchenrat der württembergischen Landeskirche sollte sich daran auch immer wieder erinnern. Mir kommt es jedenfalls so vor, als habe man sich dort von der kirchlichen Basis ziemlich weit entfernt. Die Beispiele behalte ich heute mal für mich. Was Luther angeht, so habe nichts gegen ihn. Seine Übersetzungs- und Sprachschöpfungsleistung ist bewundernswert. Ob die neuerliche Revision der Luther-Bibel nötig war, sei dahingestellt. Aber sie per Vorschrift in den Gemeinden zu verankern, das geht nicht. So schön die Luther-Sprache auch ist, sie stammt aus dem 16. Jahrhundert und läuft dem Empfinden des heutigen Menschen manchmal sehr zuwider. Manche Passagen aus den Paulusbriefen sind, vorgelesen, schlicht unverständlich. Wenn es Luther wichtig war, die Bibel dem normalen Leser verständlich zu machen, muss sie in der Sprache des 21. Jahrhunderts zu Wort kommen. Von einer lebendigen protestantischen Kirche erwarte ich, dass sie unter Berufung auf dieses Wort dem Leben, der Freiheit, der Vielfalt, der Offenheit gute Bedingungen schafft, dass sie ehrlich ist, eine deutliche Sprache spricht, dass sie bekennt und einsieht, es nicht allen recht machen zu können. Eine lebendige Kirche setzt sich für die Rechte derer ein, die benachteiligt sind und Unterstützung brauchen. Sie stellt sich gegen jene, die nur an ihren Profit denken. Sie trägt dazu bei, dass der Globus nicht zerstört wird.

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