Tramp

Bei Karl May gelten die Tramps als fiese Unterschichtige, gegen die einer wie Old Shatterhand mit allen Mitteln erfolgreich zu Felde zieht. Nun haben sie in Amerika einen Tramp an die Spitze ihres Staates gewählt. Gegen ihn wird kein Karl-May-Held ankommen. Warum die Amerikaner so gewählt haben, darüber rätseln die hiesigen Kommentatoren (eigentlich die Toren in diesem Fall) und die Wissenschaftler (eigentlich die Unwissenden). Was uns zu diesem Ereignis erzählt wird, klingt alles andere als überzeugend. Der Gewählte sei gegen das Establishment zu Felde gezogen – seit wann ist ein Milliardär nicht aus diesen etablierten Kreisen? Er habe den Ton getroffen und den Globalisierungsverlierern eine Stimme gegeben – ein Immobilienverkäufer hat doch sein Geld gerade damit verdient, dass in den USA die Subprime-Kredite erfunden wurden, die man auch hierzulande gehandelt hat. Er sei so erfrischend, heißt es, in dem, was er sagt und wie er es sagt: unverblümt, unverschämt, ungezogen – das also soll der neue Typ von politischen Führern sein? Der Tramp habe keine Ahnung vom politischen Betrieb, heißt es – unsere Zukunft liegt also in den Händen von Ahnungslosen und ungebildeten Geschäftemachern. Ein aufbauender Gedanke! In Europa triumphiere die politische Rechte, wird berichtet. Was für ein Szenario! Welche neue Welt werden diese Mauerbauer und Deutschland-Rufer, diese Abgrenzer und Ausweiser, diese Parolengläubige und Hassprediger uns schaffen?

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