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Sterbender Stadtteil

Hier geht es um eine Kleinigkeit, nicht um Schulprobleme, eine weltweite Pandemie oder einen europäischen Krieg oder gar die Klimakrise, nein, hier geht es nur um ein paar tausend Menschen in einem Sindelfinger Stadtteil namens Hinterweil. Aber vielleicht ist er ja ein Exempel. Geplant war er für fünfeinhalb tausend Einwohner. Die umweltbewussten Bürgerinnen und Bürger der späten 1970er Jahre fanden das zu brutal (Häuser mit 12 Stockwerken!) und erreichten eine sanftere Architektur. Vielleicht leben jetzt rund 4000 Menschen dort. Das sind viel zu wenig für jene, die im Einkaufszentrum, ein solches gibt es dort tatsächlich, ein Geschäft betreiben. Aus zwei Bäckern wurde bald einer, inzwischen gibt es nur noch einen halben, der stundenweise offen hat (montags nie). Aus zwei Apotheken wurde zunächst eine. Inzwischen hat auch die geschlossen. Der Supermarkt wechselte ständig den Besitzer. Er hieß mal Nanz, am Schluss Netto. Inzwischen steht der Laden leer. Einst waren im Viertel die Volksbank und Kreissparkasse vertreten. Inzwischen habe beide Institute ihre Pforten geschlossen. Wenn man Glück hat, kann man einem Automaten Geld entnehmen. Es gab auch einen Schreibwarenladen mit einer Poststelle und einer Verkaufsstelle des VVS. Dieser Laden hat seit heute zu. Was ist noch übrig? Ein Tattoo-Studio, ein Friseur, eine Raucherkneipe und ein Fitnessraum. Für die Älteren bleibt wenig. Sie dürfen mit ihren Rollatoren einige Kilometer Richtung Maichingen fahren und das Angebot dort nutzen. Sie können auch mit dem Bus in die Stadt fahren oder in ihr Auto steigen und für den Brötchenkauf fünf Kilometer Benzin verbrauchen. E-Autos sind im Stadtteil nicht vorgesehen; es gibt dort keine einzige Ladestation. Das Klima wird es uns danken. Schuld an der Misere fühlt sich niemand. Die Stadtverwaltung äußert Bedauern.

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