Langsamer Digitalpakt

„Der Fortschritt ist eine Schnecke“ – wenn man es noch nicht gewusst hätte, am Digitalpakt lässt es sich trefflich zeigen. Letztes Jahr, 2018, haben Bund und Länder ihre Absicht kundgetan, die elektronisch unterbelichteten deutschen Schulen mit etlichen Milliarden Euro informationstechnisch zu ertüchtigen. Es dauerte gut ein Jahr, bis die hehre Absicht Wirklichkeit wurde und Bund und Länder sich einig waren. Dafür musste eigens das Grundgesetz geändert und dann nochmals geändert werden. Nun seien alle Hindernisse aus dem Weg geräumt, das Geld könne fließen, heißt es. Aber gemach! Keiner hatte vorher einen Plan, wie der Geldfluss zu managen sei. Man kann ja nicht einfach jeder Schule einen Scheck übersenden. Da müssen erst die fürs Schulische zuständigen Länderministerien „ins Boot“ geholt werden und natürlich auch die Kommunen, sind sie es doch, die für die „sächliche Ausstattung“ der Schulen verantwortlich sind. Und ehe auch nur ein Federstrich erfolgen kann, bedarf es in Deutschland, immerhin einem Rechtsstaat, einer Verordnung, die alle Abläufe regelt, ohne Verordnung kein Verwaltungshandeln. Ob es diese Verordnung schon gibt – wer weiß? Danach, so hört man, soll der Bedarf der Schulen abgefragt werden. Dazu müssen sie einen Bedarfsplan vorlegen. Diese Anträge werden von den Städten und Gemeinden gesammelt, wahrscheinlich noch einmal gründlich durchgearbeitet und dann an die jeweilige Landesregierung geschickt. Die drängt zur Eile. Die Anträge müssen bis 2022 vorliegen. Dann werden sie, wie man sagt, “gebündelt”, sodass sie noch im selben Jahr oder spätestens 2023 an die Bundesregierung geschickt werden können. Aber dann geht es schnell, dann kann das Geld fließen: von Berlin nach Stuttgart, von Stuttgart ins Rathaus Sindelfingen. Vom Rathaus kommt dann – ich denke 2024 – ein Schreiben an die Schulen: „Ihr könnt jetzt die 10000 Euro aus dem Digitalpakt ausgeben, aber nur für Glasfaserkabelanschlüsse.“ Und was ist, wenn die Schulen die längst haben? Dürfen sie dann auch Endgeräte kaufen oder Lehrkräfte zu Schulungen schicken oder den bereits veralteten Server austauschen? Ein Pakt, bei dessen Umsetzung einen die Verzweiflung packt! Aber beim Klima geht es ja auch nicht schneller.

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Zentraleres Abitur

Der Föderalismus ist eine schöne Sache, Jedes Bundesland hat eine Hauptstadt, ein Parlament, eine Regierung, ein eigenes Schulsystem und natürlich ein eigenes Abitur mit eigenen Anforderungen. Sicher, es gibt einen Rahmen, den die Kultusministerkonferenz gesetzt hat, aber den kann jedes Land ausgestalten. Zum Beispiel bei den schriftlichen und erst recht bei den mündlichen Prüfungen. Das hat zur Folge, dass die Schwierigkeit der Prüfung in den Ländern unterschiedlich ist. Ein Abitur mit 1,8 ist also im einen Land „leichter“ zu schaffen als im anderen. Der Schwierigkeitsgrad spielt aber bei der Bewerbung fürs Studium keine Rolle, nur die Note. Das ist nicht gerecht. Diese Erkenntnis ist nicht neu, sondern Jahrzehnte alt. Sie hat zu allerlei Versuchen geführt, die Anforderungen anzugleichen. Der Erfolg dieser Mühen ist bescheiden. Immerhin gibt es inzwischen einen „Aufgabenpool“, aus dem Länder Aufgaben fürs Abitur nehmen können – aber nicht müssen. Falls sie sie nehmen, aber nicht ganz zufrieden damit sind, können sie sie ihren Bedürfnissen, eigentlich ihren Traditionen, anpassen, das heißt sie leichter oder schwieriger machen. Gerechtigkeit und Vergleichbarkeit sind etwas anderes. Nun hat die Kultusministerin des Landes BW gefordert, das Abitur solle bundesweit „zentral“ werden. Dieses Ziel wolle sie in 10 Jahren erreichen. Und was geschieht? Sie wird heftig kritisiert, sogar ihr Chef, der Herr K., fährt ihr in die Parade. Das bedeute einen Verlust an Kulturhoheit des Landes. Ja, das bedeutet es, aber wenn es der Prüfungsgerechtigkeit dient, wäre dieser Verlust zu verschmerzen, oder? Das durchschlagendste Argument der Kritiker lautet: Die Schüler aus BW wären benachteiligt, weil das Schuljahr so spät anfängt und bei bundesweit einheitlichen Prüfungsterminen würden des Landeskindern ein paar Wochen fehlen. Dümmer geht es nimmer, denn die Gesamtschulzeit ist nun wirklich bundesweit einheitlich. Vielleicht wäre das BRD-Zentralabitur ein guter Anlass, den Unsinn der baden-württembergischen Sommerferien, die in Wirklichkeit Herbstferien sind, abzuschaffen. Der Föderalismus ist eine schöne Sache, aber manchmal fällt es einem schwer, ihn gut zu finden.

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Kaufländische Verbraucherwüste

Sobald sich die Temperaturen den 30 Grad nähern, ist beim „Super“markt Kaufland landunter. Nicht nur, dass die Austräger des Wochenprospekts (idiotischerweise gültig von Donnerstag bis Mittwoch) seit Wochen streiken, im Markt selber gibt es ihn auch nicht („leider vergriffen“). Bei der Leergutrückgabe staut sich eine 10 m lange Schlange, drei von vier Rückgabeautomaten sind defekt. Die Gutmütigkeit des Kunden ist gefragt, vor allem seine Lebenszeit. Dass von den Waagen bei Obst und Gemüse auch nur eine funktioniert, wen überrascht es? Denn Lidl & Schwarz hat es noch immer nicht nötig, seine Kassen mit einer Wiegevorrichtung zu versehen. Stattdessen nimmt die Geschäftsleitung die Verlängerung der Zeit, die der Kunde an der Kasse wartet, billigend in Kauf, denn jeder Dritte vergisst das Wiegen und muss das noch schnell nachholen. Auch das andere Kaufland-Ärgernis muss der Kunde hinnehmen: dass er jedes Mal für Obst und Gemüse eine neue Plastiktüte braucht, weil die alte einen Aufkleber hat. Oder soll man den alten Betrag einfach durchstreichen? Bei dieser Supermarkt-Kette kann man das Phänomen der Gewinnmaximierung schön studieren. Und auch das des Pfeifens auf jede Art von Nachhaltigkeit. Warum gehen wir eigentlich ins Kaufland?

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