Starker Mann

Nicht wenige Deutsche, auch junge, haben Sehnsucht nach dem starken Mann, nach einem, der sie straff regiert und die Mühsal demokratischer Hindernisse vergessen lässt. China wird von einer starken Männerriege gesteuert, die USA von einem Möchtegern-Starken regiert, Italien hat gleich zwei Starke an der Spitze. In der Türkei gibt es einen, der sich stark gibt, aber schwächelt, bzw. es schwächelt seine Wirtschaft, wie man in der heutigen Zeitung lesen kann. Man könne es eine Rezession nennen, was sich zurzeit am Bosporus entwickelt. Offenbar genügt die Stärke eines starken Mannes nicht, um die Wirtschaft stark zu halten. Ist dieser Mann mit dem unaussprechlichen Namen überhaupt stark? Wenn man seinen Umgang mit politischen Gegnern betrachtet, ist er es schon: Wer etwas gegen ihn hat und das auch noch laut äußert, bekommt gratis einen Platz im Gefängnis. Journalisten aus dem Ausland, die über das Erdenwahn-Land ohne Begeisterung für dessen Führer schreiben, dürfen in ihr Ausland zurück. Touristen, die sich (wie dieser Blogschreiber hier) kritisch über den starken Türken auslassen, sollten tunlichst auf einen Aufenthalt in diesem Reiseparadies verzichten, sonst müssen sie dort bleiben. Häckerling wird es verschmerzen. Was kann man also denen sagen, die sich nach Merkel, der starken Frau, einen starken Mann an der Spitze des Staates wünschen? Auch ein starker Mann ist nicht das Gelbe vom Ei. Vielleicht reicht es schon, wenn man geduldig die Mängel der Demokratie repariert. Sie sollte stark sein gegenüber den Autobauern und denen, die Wohnungsbau verhindern, sie sollte Stärke zeigen beim Durchsetzen des Rechts, aber noch stärker bei der Abschaffung unsinniger Rechtsvorschriften. Dazu braucht es starke Männer und Frauen in den Parlamenten.

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Faule Männer

Ein Thema, so recht geeignet für den heutigen Tag: Asche auf das Haupt der faulen Männer. Eine Studie hat wieder einmal bestätigt, dass den Frauen den Haushalt überlassen. Sie putzen nicht den Boden, stauben nicht ab, weder mit dem Tuch noch mit dem Sauger. Sie befüllen nicht die Waschmaschine, bügeln nicht, kochen nicht, waschen nicht ab. Stattdessen sitzen sie auf der Couch und sehen fern. Fußballspiele zum Beispiel. Schande über sie! Sie sind Paschas, diese Männer, die sich von ihren Frauen bedienen lassen. Nicht einmal das Bier holen sie aus dem Keller. Und tragen die leeren Flaschen nicht wieder runter. Sie trennen den Müll nicht, fahren nicht zum Wertstoffhof, lassen sogar die Frau die schweren Mülltonnen transportieren. Und wenn sie Kinder haben, geben sie nicht das Fläschchen, wechseln die Windeln nicht, singen kein Schlaflied. Stattdessen sitzen sie auf der Couch und … Die Männer tun eigentlich gar nichts, die paar Stunden am Arbeitsplatz nehmen sie als Erholungsphase. Sie kaufen nicht ein, sie bestücken nicht den Kühlschrank oder die Kühltruhe, sie machen keine Bankgeschäfte, kontrollieren die Kontoauszüge nicht, die Steuererklärung überlassen sie der Frau. Ebenso das Bezahlen der Rechnungen per Online-Banking. Und wenn etwas defekt ist, verlangen sie von der Frau, dass sie den Handwerker ruft. Der neue deutsche Mann ist sich zu gut dafür, selbst etwas zu reparieren. Stattdessen sitzt er … Er ist zum Symbol einer kranken Gesellschaft geworden. Er liest vielleicht noch die Zeitung und blickt auf sein Smartphone, aber ansonsten ist er einer, der die Frauen ausbeutet. Stimmt’s?

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Süßes Gift

Man kann es witzig nehmen, man kann sich auch darüber aufregen. Dass der Nachschub für Nutella ins Stocken geraten ist, weil die Fabrik in Frankreich die Produktion unterbrochen hat, könnte erheitern. Die heutige Zeitung jedenfalls albert an dem Thema herum – das traditionelle Frühstück sei in Gefahr. Aber just das ist das ernste Problem im Hintergrund. Denn Nutella besteht zu 56 % aus Zucker und zu 31 % aus Fett. Und die restlichen 13 %? Wahrscheinlich aus braunem Farbstoff. Ob Eltern, die ihren Kindern mit Nutella-Broten eine Freude machen wollen, sich im Klaren sind, welche gesundheitlichen Unfug sie da begehen und welchen Schaden sie anrichten? Selbst normale Schokolade hat weniger Zucker als dieser Brotaufstrich. Und in dem Fett ist auch noch Palmöl. Über dessen globale Problematik weiß man inzwischen Bescheid. Die französischen Bauern haben im letzten November zu Recht vor der Nutella-Fabrik demonstriert und darauf hingewiesen, dass es auch anderes Öl gibt. Vielleicht ist es den bäuerlichen Gelbwesten ja gelungen, die Produktion zu stören. Ihnen dafür mit Sympathie zu begegnen kann sich Häckerling kaum enthalten. Die schlechte Nachricht: Am heutigen Montag ist die Nutella-Produktion wieder aufgenommen worden.

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