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Bürokratischer Alltag

Der Landrat von der Ahr habe nicht rechtzeitig und eindrücklich vor den Wasserfluten gewarnt, heißt es. Dabei hat er normal gehandelt. Es kommen viele Warnungen über Apps und in den Medien. Selten wird es so schlimm wie angedroht. Warum also soll man die Leute in Panik versetzen? Der Landrat konnte sich nicht vorstellen, dass es diesmal so schlimm werden würde. Er ist in guter Gesellschaft. Auch in Bezug auf Kabul gab es Warnungen: Die Stadt könne rascher an die Taliban fallen als geplant. Aber Diplomaten müssen warnen und Geheimdienste müssen durch Aufgeregtheit ihre Bedeutung stärken. Die Dinge laufen aber erfahrungsgemäß stets weniger dramatisch ab, als die beruflichen Warner es ankündigen. Man kann sich also Zeit lassen. Dass es diesmal anders kommen würde, wer hätte das gedacht? Das konnte man nicht ahnen. Unsere Bürokratien arbeiten zuverlässig, aber langsam. Sie haben Angst, Fehler zu machen. Daher gehen sie bedächtig vor. Das ist nur dann lästig, wenn es tatsächlich schneller gehen müsste. Auch die Schulverwaltung müsste jetzt rascher vorankommen. Der Schutz der Kinder und ihr regelmäßiger Unterricht haben „höchste Priorität“. Im Herbst werden wir sehen, wie flott die Administration gewesen sein wird. War sie nicht flott genug, bekommt sie Hiebe. Aber eigentlich müssten jene ihr Fett wegbekommen, die über die Bürokratie gebieten. Aber die werden sich – wie immer – herausreden. Wie der Landrat von der Ahr oder der Außenminister in Berlin.

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Glückliche Leugner

Gewiss, es gibt auch Leugnerinnen. So lässt uns heute Frau W. von der A-Partei wissen, dass man das Klima vom Wetter unterscheiden müsse. Überschwemmungen habe es schon immer gegeben, aber ob das mit einem Klimawandel zu tun habe, könne niemand wissen. Es gebe da Algorithmen, die kein Mensch verstehe. Und dieses neue Gutachten über die Erderwärmung – da würden andere Meinungen unterdrückt, die zu gegenteiligen Ergebnissen kommen. Es sei nicht bewiesen, dass CO2 was mit dem Klima zu tun habe. Frau A. weiß, was sie sagt; sie bedient ihre Wähler*innen, zu denen offenbar glückliche Leugner gehören. Und Impfgegner: Denn man wisse doch, dass Corona nichts anderes als wie eine Grippe sei. Dass es andere Krankheitsverläufe gebe – alles nur bewusste Panikmache. Heute brachte der Rundfunk die Meldung, der Juli 2021 sei weltweit der bisher wärmste gewesen, seit es Aufzeichnungen gebe. Das ist bestimmt wieder eine dieser Falschmeldungen, die den öffentlichen Rundfunk auszeichnen und für die er auch noch unser Geld bekommt. Jeder hier im Süden der Republik hat doch gemerkt, dass wir keinen heißen, sondern einen kalten Juli hatten. Wie war das Leben doch vordem in alten Zeiten so bequem. Da gab es Epidemien, aber keiner hat davon gewusst. Da gab es Überschwemmungen, Hitzewellen, Eiszeiten – und wen hat es aufgeregt? Häckerling plädiert dafür, alle Meldungen, die vom Klima oder von Corona handeln, unter Index zu stellen und ihre Verbreitung unter Strafe. Man darf dann nicht mehr mit solchen Angstmachparolen kommen, denn die Menschen haben ein Recht auf einen ungestörten inneren Frieden und die Freiheit, vor falschen und auch noch schlechten Nachrichten bewahrt zu werden. Wenn ich das richtig weiß, ist dieses Informationsmodell in Ungarn und Polen bereits erfolgreich erprobt worden.

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Entspannte Klimmzüge

Die unselige Versammlung von Kanzlerin und Ministerpräsidentinnen und -denten trifft sich heute mal wieder und arbeitet aufgelaufene Corona-Aufgaben ab. Als da wären: eine Alternative zum Inzidenzwert, eine Entscheidung, ob das Testen künftig was kosten soll, wie man die Impfbereitschaft erhöhen kann, wie es mit den Schulen weitergehen, wie es überhaupt weitergehen soll. Man muss nicht mit prophetischen Gaben gesegnet sein, um vorauszusagen, dass heute wenig Greifbares herauskommen wird. Denn wir stehen vor Wahlen, da weiß jeder politisch Tätige, dass man sich vor konkreten Aussagen hüten muss; es könnte ja jemand Anstoß nehmen und einem die Stimme verweigern. Vielleicht einigt man sich auf „Anreize“ fürs Impfen. Eine Bratwurst, notfalls als vegane Variante, wäre für manche schon eine Verführung zum Impfen, heißt es. Ein Thema der KMP allerdings wäre dringlicher als die Bratwurstfrage: der Klimawandel. Dazu haben wir gestern Dramatisches gehört. Es muss gehandelt werden, jetzt, sofort, unverzüglich. Aber zum Glück kann sich die politische Klasse entspannt zurücklehnen. Sie hat bereits beschlossen, Deutschland ab 2045 klimaneutral zu machen. Wann ist das? In 24 Jahren. Bis dahin wählen wir noch sechs Mal den Deutschen Bundestag. Was man also heute nicht besorgen will, lässt sich auf morgen und übermorgen verschieben. Inzwischen geben wir lieber Milliarden aus, um Klimafolgen wie heftige Überschwemmungen (aktuell in NRW und RP) zu reparieren. Das ist nicht falsch, aber viel Geld auszugeben statt zu handeln, das ist eine Devise, die uns nicht weiterbringt.