Lehrreicher Wahltag

Sage einer, es tue sich nichts in der Politik. Aus Volksparteien werden ganz normale, die radikale Rechte hat sich etabliert, die Grünen werden stark gemacht, Europa schwächelt, ist aber noch nicht tot. Führungskräfte wirken verunsichert, junge Leute erheben ihre Stimmen, der Politikbetrieb verfällt in ratlosen Aktionismus. Die Zeichen stehen auf Veränderung. Aber was muss sich eigentlich ändern? Aus großen Worten müssen Taten folgen, aus Ankündigungen Realitäten werden, aus Visionen Wirklichkeit. Aber genau das ist offenbar so schwierig. Man kann auf Wahlplakaten viel schreiben, in Wahlspots viel versprechen, auf Homepages jede Menge ankündigen. Aber wenn auf große Worte allenfalls marginale Taten folgen, wenn der große Wurf zum Würflein wird, wenn Initiativen im Dickicht der Verwaltungen hängen bleiben, dann sind wir Bürger frustriert, ob wir nun alt sind oder jung. Wenn man hofft, dass eine Idee einige Monate braucht, um zur Tat zu werden, sich aber nach Jahren immer noch nichts getan hat, steigt die Verdrossenheit. Wann gibt es den Aktionsplan zur Rettung des Klimas, wann kommt die Digitalisierung in den Schulen an, wann werden die Unzulänglichkeiten des Gesundheitssystems überwunden, die Systeme des öffentlichen Verkehrs besser, die Stadtteile lebenswerter, die Neubürger zum Deutschlernen verpflichtet, die Boni der Manager gedeckelt, die Vermüllung der Städte bekämpft, die Ehrenamtlichen gefördert, die Steuergesetze vereinfacht usw., usw.

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Unzufriedene Wähler

Die Wähler seien unzufrieden, weiß die Zeitung heute zu berichten. Die einen beklagen ihre Wohnsituation, die anderen die Einschränkung ihrer Automobilität und wieder andere dürftige Fahrpläne im öffentlich Nahverkehr. Manche sehen zu viele fremde Gesichter um sich und auf den Straßen und Plätzen zu viel Müll, das Fernsehprogramm tauge nichts, die Schule schaffe es nicht mehr zu erziehen und zu bilden, das Wetter sei nicht wie erwartet und das Klima wandle sich, obwohl ständig von Maßnahmen zum Schutz des Klimas geredet werde. Manche finden, dass sie zu wenig verdienen und andere dafür unverdient viel. Die Menschen würden zu dick und die Politik unternehme zu wenig dagegen. Der Alkoholismus nehme zu und nichts werde dagegen getan. Die christliche Religion sei auf dem Rückzug und werde vom Islam überrollt. Die Liste der Ärgernisse ist beliebig verlängerbar. Sie verzichtet auf den Punkt Krise des deutschen Fußballs, schlechte Platzierungen beim europäischen Songwettbewerb, den Brexit, den Nationalismus usw. Was soll der Wähler machen? Wählen? Und wen? Jene, die er am wenigsten ablehnt. Aber er soll nach dem Wählen Kontakt halten mit den Volksvertretern, sie an ihr Wort erinnern, ihre Versprechen, etwas zu tun. Politiker können nicht alle Probleme lösen. Aber sie kümmern sich eher, wenn sie das Gefühl haben, man schaue ihnen auf die Finger. Es liegen vor uns Wählern einige Jahre intensiver Politikbegleitung. Morgen fängt sie an.

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Statische Rundfunkanstalt

Sie haben einen neuen Intendanten gewählt, die vom SWR. Er komme von außen, heißt es, dabei ist er auch ein Eigengewächs, allerdings mit ein paar Jahren Erfahrungen im Außendienst. Wie seine Mitbewerberin war er des Lobes voll über das derzeitige Programm der Anstalt. Über das im Radio ist nicht viel zu sagen. SWR 1 spielt die immer gleiche Popmusik, hat aber Nachrichtensprecher, die keine Mühe mit den Wörtern im Text haben. Das gilt nicht für SWR 2, das ein Kulturprogramm bieten will, aber immer wieder technische Probleme hat und dessen Nachrichten von Menschen gesprochen werden, die sich oft hilflos im Text verheddern. Über SWR 3 und 4 kann ich mangels eigener Hörerlebnisse nichts sagen. Das dritte Fernsehprogramm ist ein Stein des Anstoßes. Es lebt von Wiederholungen, meist ist nur das Wetter aktuell. Uralte Tatort-Filme, noch ältere Sketche von Hannes und dem Bürgermeister oder einem gewissen Bäcker nerven. Manchmal werden am Samstag drei unerträglich schlechte Filme hintereinander abgespielt. Zugegeben, mancher Tipp zur Gesundheit und zum Einkaufen ist hilfreich, aber das Fehlen jeglicher Modernität, von ordentlichen Serien und Filmen mit Prädikat stimmt wehmütig. Wie will man den Streamingdiensten Kunden abjagen? Wie will man auch nur einen jüngeren Zuschauer für dieses Programm gewinnen? Vielleicht sollte sich der neue Intendant zuerst einmal zwingen, SWR 3 eine Woche nonstop zu schauen. Dann bestünde die Hoffnung, dass seine Begeisterung für das derzeitige Programm etwas nachlässt.

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